Cargoforum Forum für Transport, Logistik, Spedition, Zoll und Außenhandel



Auswirkungen des Incoterm auf Rechnungslegung und Zahlung


Gehe zu Seite Zurück  1, 2
Neues Thema eröffnen    Neue Antwort erstellen

quack #1 Link


Offline Offline
Dabei seit: Jun 30, 2016
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 26 Apr 2017 - 16:14

Hier werden diverse Bilanz-, Lager-, Liefer- und Zahlungsbedingungen von einige Teilnehmer durcheinander gebracht,
bzw. in falsche Zusammenhang gesehen.

a) Bilanz:
in diesem Zusammenhang interessant, weil eine Rechnung erst dann etwas wert ist, wen sie in der Buchhaltung als Forderung verbucht wird. Vor diese Buchung ist es nur ein Stück bedrucktes Papier und genauso wertlos.

b) Lager:
hat auch etwas mit Bilanz zu tun, wie Waldorf und Chev bemerkten gibt es gute ERP Systeme die die entsprechende Vorgänge abbilden, in diesem Zusammenhang: Warenbestand im Lager, Warenbestand in Kommissionsbearbeitung, Warenbestand im versandfertige Zustand aber nicht abholbereit und der Warenbestand welches versandfertig und abholbereit ist. All diese Warenbestände sind, bilanztechnisch, Eigentum des Versenders. Die Ware die versandfertig UND abholbereit ist wird nach Abholung WA (Warenausgang) gebucht und das ERP System bucht gleichzeitig der Rechnung als Forderung ein. Erst an diesem Punkt ändert sich der Rechnung von einem wertlosen Fetzen Papier in ein "Wertpapier", denn jetzt erst ist die Forderung berechtigt, die Ware hat ja das Lager verlassen und ist damit, bilanztechnisch, kein Eigentum mehr des Versenders.

c) Lieferbedingungen:
regeln nur den Gefahrenübergang, wird im internationalen Warenverkehr wird fast immer auch als Besitzübergang angesehen wie schon Hunkydory bemerkte. Mit Rechnungsstellung/Zahlungsbedingungen hat es aber nichts zu tun.

d) Zollrechnung und Proforma Rechnung.
Ein Zollrechnung in dem Sinne gibt es nicht, es gab früher die sogenannte Zollfakturen. Diese Zollfakturen waren identisch mit der normale Exportrechnung, wurden jedoch auf vom Empfangsland vorgeschriebene Formulare geschrieben. War bei sehr viel Commonwealth Länder Pflicht und auch die Südamerikaner hatten diese Vorschriften, z B Bolivien, die Vordrucke waren numeriert und nur beim Konsulat erhältlich ein (!!) blanko Formular kostete DM 80,-- und musste auf spanisch ausgefüllt werden, bei Typfehler wurde es nicht konsularisch beglaubigt und man dürfte von vorne anfangen. Statt Zollfaktura wurde auch von Zollrechnungen gesprochen und das Wort hat sich, sinnloserweise, erhalten.

Ein Proforma Rechnung wird nur ausgestellt für kostenlose Lieferungen, ggfs auch im Rahmen einer Angebotserstellung oder beim Beantragen von Globalimportgenehmigungen im arabischen Raum. Es reicht üblicherweise nicht aus nur "Pro Forma Rechnung" zu schreiben, man sollte zusätzlich die Zusätze: Goods of commercial value, value for customs clearance purposes only, vermerken

Und jetzt die Antworten: die Incoterms = Lieferbedingungen, haben kein Einfluß auf Zahlung oder Rechnungsstellung. Man kann die Rechnung erstellen wann man will, wird aber in der Praxis immer versandnah gemacht, da es aber, bedingt durch eventuell notwendige zeiträubende Legalisierungen, Beglaubigungen, Überbeglaubigungen, Akkreditivvorschriften (L/C) insbesondere bei transferable oder red clause L/C's oder durch Kontrolfirmen zu Verzögerungen kommt, wird es in solche Fälle zu größere Differenzen bei Rechnungsdatum und den effektive Versand/Warenausgangsdatum kommen. Das ist unvermeidlich weil alle diese Vorgänge die Vorlage der Originalrechnung erfordern. Wenn gelegentlich irgendein Konsulat trotzdem 'n Proforma legalisiert, kriegt der Importeur im Bestimmungsland Probleme die er meistens nur mit Neuerstellung der Dokumente oder Schmiergeld regeln muß. Gerade deshalb sollte ein ERP System die Rechnung beim
Buchen des Warenausgangs gleichzeitig die Rechnung in der Buchhaltung buchen. Vorher war die Ware, obwohl
versandfertig im Warenausgangslager, technisch gesehen, immer noch Eigentum des Versenders.

Anspruch auf Zahlung: beim L/C oder Bei CAD/PBO Sendungen ist 's einfach, steht im L/C und der Bank garantiert bzw.
bei PBO/CAD überwacht die Frist und mahnt ggfs der Zahlungspflichtige. Ansonsten: im internationalen Verkehr sind
Zahlungsfristen üblich, wer Rechnungen ohne Zahlungsbedingungen ausstellt, sollte nur gegen Vorkasse liefern. Bei den Zahlungsbedingungen gibt 's allerdings ein Häkchen: das Zahlungsziel wird meistens im Vorteil des Zahlers ausgelegt,
60 oder 90 Tage wird fast immer als "nach Wareneingang" ausgelegt. Da kann man sich drüber aufregen, da hilft nur
ein L/C, alles andere ist illusorisch denn ein gerichtliche Beitreibung lohnt sich im Ausland erst ab Beträge ab
€ 20 - 30.000,--, bei kleinere Beträge zahlt man drauf und die Anwälte verdienen sich 'n goldene Nase. Man kann also sagen: wir liefern gemäß deutschen Recht, aber de Facto ist das Makulatur.

Mario2108: wie schon ober gesagt, deine Vorgehensweise ist falsch, Zahlungsfristen sind im Auslandsverkehr bei
offene Rechnungen nur "Richtwerte" deshalb solltest du die Rechnung erstellen sobald die Ware abholbereit ist.
Die Vorgehensweise mit ein Proforma Rechnung für den Versand und die Handelsrechnung hinterher ist
abwicklungstechnisch aufwändig und sorgt gleichzeitig für Verwirrung. Das PF Rechnungen bezahlt werden kommt
öfter vor, insbesondere bei Firmen die wenig importieren. Wenn 's mal bei 'n geringwertige Mustersendung passiert ist es kein Problem, wenn es aber regelmäßig bei "richtige" Warenwerte passiert gibt 's irgendwann richtigen Ärger. Wenn dein
Controlling sagt das die Rechnung erst beim nach dem effektive Warenausgang werden darf hat eurem ERP wahrscheinlich kein virtuelles Kommisionierungslager/Warenausgangslager. Abhängig vom Lagergröße/Umschlagsvolumen kann man
so etwas nur virtuell oder zusätzlich mit ein modifiziertes echtes Warenausgangslager regeln.

quack
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen
quack #2 Link


Offline Offline
Dabei seit: Jun 30, 2016
Beiträge: 42

BeitragVerfasst am: 26 Apr 2017 - 18:56

quack wrote:
Proforma Rechnung wird nur ...................................... Goods of commercial value, value for customs clearance purposes only, ......................
quack

Offensichtlich 'n beginnende Demenz, es sollte natürlich heißen: ..goods of no Commercial value.......

Anscheinend muß ich wählen: Parkinson oder Alzheimer, 'n Bier verschütten oder vergessen. (:-))

quack
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen
Neues Thema eröffnen    Neue Antwort erstellen
Gehe zu Seite Zurück  1, 2
Seite 2 von 2




Gehe zu:  




Deutschlands führendes Transport & Logistik Forum. Alles Wichtige zu Themen wie Spedition, Speditionsforum, Logistik, Logistikforum, Transport, Ausbildung, Studium, Karriere, Weiterbildung, Binnenschifffahrt, Existenzgründung, Transportforum, Luftfracht, Bahnfracht, Bahncargo, Seefracht, Schifffahrt, LKW, Güterkraftverkehr, Maut, Ladungssicherung, Gefahrgut, Charter, Eisenbahn, KEP, Kurier, Express, Paket, Multimodal, kombinierte Verkehre, Transportrecht, Transportversicherung, Zoll, Zollforum, RFID, Lagerlogistik, Warehouselogistik, AWB, Luftfrachtbrief, Container, Frachtflugzeug, Güterzug, Spediteure, Verlader, Fracht, Frachtforum, Transporte
© eine Onlinepublikation der VOCA media carsten vollenbroich