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Streckengeschäft - Problem mit Warentarifnummer

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sternschnuppe289 #1 Link


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Dabei seit: Jan 30, 2007
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 12 Jul 2017 - 10:26

Hallo zusammen,

da mein Thema mit Warentarifnummern zu tun hat, bin ich hoffentlich in diesem Forum richtig.

Hier mein Problem:
Wir lassen in China produzieren, verkaufen und verschiffen dann in Drittländer - also ein reines Streckengeschäft.
Dabei geben wir in den Verschiffungsdokumenten eine Warentarifnummer an, die wir haben prüfen lassen und von der wir wissen, dass sie 100%ig die richtige ist.

Nun ist es so, dass gerade in anderen asiatischen Ländern, in die wir verkaufen, eine andere Warentarifnummer verwendet wird. Häufig wissen die Kunden, dass unsere Warentarifnummer eigentlich die richtige ist und die von ihnen verwendete die falsche. Da aber aufgrund der von uns verwendeten Nummer höhere Zölle anfallen, wollen die Kunden natürlch das Geld sparen und fordern von uns, die andere (für uns falsche) Warentarifnummer zu verwenden.

Jetzt habe ich von offiziellen Stellen zwei unterschiedliche Aussagen gehört. Die eine lautete: wenn wir etwas verkaufen müssen wir auch unsere Warentarifnummer verwenden, ohne Abweichung und Ausnahme. Die andere Aussage lautete aber: es handelt sich ja um ein Streckengeschäft, die EU und somit der europäische Zoll ist ja nicht involviert, also könne man auch ruhig die andere Warentarifnummer auf die Papiere schreiben.

Wir würden gerne auf die Papiere "customer's customs tariff number" oder ähnliches schreiben, damit man sieht, dass sie vom Kunden vorgegeben wurde.

Der Kunde möchte das ganze jetzt auch noch per Akkreditiv abwickeln, in dem, das hat er schon angekündigt, auch sein Warentarifnummer stehen wird.

Wenn ich das abblocke, verliefen wir den Kunden (es geht nur Zahlung gegen L/C und nur mit der Warentarifnummer...).
Wenn ich aber etwas mache, was rechtlich nicht in Ordnung ist, habe ich ein größeres Problem als einen verlorenen Kunden.

Hat jemand hier Erfahrung mit solchen Fällen? Wie können wir hier vorgehen?!?

Danke schon einmal und viele Grüße
Sternschnuppe289
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whitesnuf #2 Link


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Dabei seit: Mai 04, 2010
Beiträge: 98
Ort: Stuttgart
BeitragVerfasst am: 12 Jul 2017 - 13:57

Hallo Sternschnuppe,

Du bist nicht verpflichtet in den Dokumenten irgendwelche Tarifnummern anzugeben.

Die wissentliche Benutzung einer falschen Nummer lehnen wir grundsätzlich ab, bitten
dem Kunden jedoch die Dokumente ohne Zolltarifnummer auszustellen.

Unter welcher Nummer der Kunde seine Ware importiert ist nicht dein Problem, solange
ihr nicht einen Incoterm "... verzollt" verwendet.

Grüße, whitesnuf
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Lisa215 #3 Link


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Dabei seit: Jan 20, 2015
Beiträge: 16
Ort: bei Hamburg
BeitragVerfasst am: 12 Jul 2017 - 14:26

Hallo,

ich halte es ebenfalls fuer fragwuerdig, die "falsche" Warentarifnummer anzugeben.
Ideal waere es sich aus der Angelegenheit herauszuhalten wie von whitesnuf erwaehnt und dem physischen Empfaenger die Neutariffierung ueberlassen.
Fuer die Geschaeftsbeziehung waere es, sollte es sich hier um wichtige oder grosse Kunden handeln, natuerlich wichtig die Ursache zu identifizieren und moeglichst abzustellen.

Mich wuerde einmal folgendes dazu interessieren:

- Wie hat der Lieferant diese Tarifnummer identifiziert?
- Worin liegt der Unterschied zwischen den Tarifnummern in deren Warendefinition?
- Von welchen offizielen Stellen stamen die beschrieben Aussagen und wie verlaesslich sind sie?
- Liegen die erwaehnten Aussagen jeweils schriftlich vor?

Sollte man sich dafuer entscheiden dem Empfaenger die Erwaehnung der Warentarifnummer im Akkreditiv zu zusagen, wuerde ich auf jeden Fall eine Freihaltungsklausel ("customer's customs tariff number" / "customs tariff number advised by producer" (sollte das der Fall sein)) zu inkludieren.
Rechtlich klingt das leider sehr nach einer Grauzone, daher wuerde ich dringend zu weiteren Nachforschungen und Unterredung mit der Abteilungsleitung raten sofern dies noch nicht erfolgt ist.
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WiMa #4 Link


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Dabei seit: Okt 08, 2009
Beiträge: 161
Ort: Wien
BeitragVerfasst am: 13 Jul 2017 - 06:38

in DE dürft ihr (fast) unbegrenzt schnell auf der Autobahn fahren. Fährt einmal mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h in einem anderen Land auf der Autobahn. Erklärt dann der Polizei, daß dürft ihr, weil es in DE erlaubt ist. Würdet ihr wohl auch nicht machen und wenn doch, wißt ihr bald, dass ihr die DE-Verkehrsordnung nicht auf andere Länder übertragen könnt.

Ebenso ist es mit der Tarifierung. Tarifnummern in der EU haben nichts mit der Tarifnummer in China oder in Indien zu tun.
Ja, die ersten 4 - 6 Stellen der Tarifnummer werden höchstwahrscheinlich ident sein, die letzten Stellen mögen auch passen (dann war es Zufall).

Wenn der Chinese sagt in China ist die Zolltarifnummer 3333 3333 33 und der Inder sagt in Indien ist ex 3333 3344 66
dann haben beide recht und wenn es in der EU 3333 3355 999 ist, wird es wohl auch stimmen. Das gleiche Zeugs, aber unterschiedliche HS-Codes in den verschiedenen Ländern.
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betterorange #5 Link


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Dabei seit: Apr 02, 2007
Beiträge: 1196
Ort: Düsseldorf
BeitragVerfasst am: 13 Jul 2017 - 10:33

vielleicht ist der Begriff vor der Deklarierung"said to contain" der Schlüssel.

Das Ausfuhrdokument ist mit der korrekten Nummer zu versehen, die beste Lösung ist die Nichtnennung des HS Codes.

So handhaben es viele unserer asiatischen Kunden.

MfG, BO
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Chev #6 Link


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Dabei seit: Apr 10, 2009
Beiträge: 528

BeitragVerfasst am: 13 Jul 2017 - 11:47

Ich kenne es auch so, dass zumindest die 6- oder 8-stellige ZTN in Rechnungspositionen mit angedruckt wird und somit bei der Importabwicklung sichtbar wird.

Wie schon geschrieben wurde, ist es allerdings so, dass der Importeur hinsichtlich der Tarifierung in seinem Land völlig anderer Ansicht sein kann oder letztendlich versuchen möchte, Zölle/Steuern zu sparen bzw. diese durch "geschickte" Tarifierung ganz zu umgehen.

Für manche Kunden (z. B. in BR) werden daher die ZTN von den Rechnungen entfernt. Man möchte dort komplett neu eintarifieren und benötigt dafür eine "neutrale" Rechnung. Dieser Forderung kommen wir nach, da es letztendlich die Entscheidung des Kunden ist und wir hinsichtlich der Ausfuhr dennoch korrekt gehandelt haben.
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waldorf #7 Link


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Dabei seit: Jul 23, 2007
Beiträge: 1210

BeitragVerfasst am: 13 Jul 2017 - 12:40

WiMa wrote:
Ebenso ist es mit der Tarifierung. Tarifnummern in der EU haben nichts mit der Tarifnummer in China oder in Indien zu tun. Ja, die ersten 4 - 6 Stellen der Tarifnummer werden höchstwahrscheinlich ident sein, die letzten Stellen mögen auch passen (dann war es Zufall).


Das ist wohl zu extrem ausgedrückt. Natürlich weichen die Stellen 7 ff. in China oder Indien ab, weil dort die nationalen Tarifnummern nicht identisch sind. Eine Abweichung in den Stellen 1-6 ist aber wohl eher eine seltene Ausnahme. Man darf auch nicht davon ausgehen, dass das Thema Einreihung in vielen anderen Ländern einen gleichhohen Stellenwert wie hier in DE hat. Selbst andere Mitgliedstaaten sind da weitaus sportlicher unterwegs. Hier machen wir ja eine Wissenschaft raus. Übervorsichtige Unternehmen beantragen VZTA´en für ihren gesamten Materialstamm und blockieren so die Kapazitäten beim Zoll und benachteiligen Antragsteller, die gezielt und problemorientiert beantragen. Wenn wir mal ehrlich sind, ist die Einreihung der eigenen Produkte für einigermaßen gut arbeitende Zollabteilungen doch zu 98% unproblematisch, oder ?

Ich bin deshalb der Meinung, dass eine mitgelieferte (deutsche) Tarifnummer dem Importeur im Bestimmungsland helfen kann. Wenn er das nicht weil, weil es dort tatsächlich eine andere Einreihungsauffassung gibt oder weil er bewusst eine "billigere" Nummer anmelden will, dann läßt man sie halt weg. Und wenn man ganz perfekt sein will, baut man sich eine Lösung, die die dt. Nummer in die des Bestimmungslandes überträgt (das machen wir für wichtige Märkte).
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sternschnuppe289 #8 Link


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Dabei seit: Jan 30, 2007
Beiträge: 9

BeitragVerfasst am: 13 Jul 2017 - 15:34

Hallo zusammen,

vielen Dank für die zahlreichen Antworten!

Hier noch ein paar Bemerkungen/Ergänzungen:

Lisa215 wrote:

- Wie hat der Lieferant diese Tarifnummer identifiziert?
- Worin liegt der Unterschied zwischen den Tarifnummern in deren Warendefinition?
- Von welchen offizielen Stellen stamen die beschrieben Aussagen und wie verlaesslich sind sie?
- Liegen die erwaehnten Aussagen jeweils schriftlich vor?

zu Punkt 1: Ich fürchte, er geht nur danach, was die günstigeren Kosten für ihn sind. Er gibt ja zu dass er weiß, dass unsere Nummer eigentlich die richtige ist.
zu Punkt 2: Es geht um chemische Eigenschaften, die ganz klar definiert sind. Daher ist die Einreihung in den Warentarif eindeutig.
zu Punkt 3: IHK und Zoll . Aber da sie absolut gegenläufig sind, sind sie nicht sehr verlässlich, fürchte ich.
zu Punkt 4: Nein, bis jetzt nur mündlich.

Lisa215 wrote:

Rechtlich klingt das leider sehr nach einer Grauzone, daher wuerde ich dringend zu weiteren Nachforschungen und Unterredung mit der Abteilungsleitung raten sofern dies noch nicht erfolgt ist

Die Diskussion haben wir hier schon etliche Male geführt, mit Abteilungsleitung und Geschäftsführung. Aber durch Eure Hinweise habe ich jetzt noch etwas "Futter" für die Diskussion.

WiMa wrote:
Ja, die ersten 4 - 6 Stellen der Tarifnummer werden höchstwahrscheinlich ident sein

Leider möchte der Kunde tatsächlich schon ab der zweiten Stelle eine andere Nummer... Das Kapitel ist also noch das selbe im Verzeichnis, das war's aber auch schon.

Ich denke, ich werde bei dem Standpunkt bleiben, den ich schon die ganze Zeit vertrete - und den ihr hier bestätigt habt:
entweder die richtige Warentarifnummer verwenden oder sie ganz weglassen. Keine Mauscheleien in irgendeiner Form. Wenn der Kunde da nicht mitspielt, kann man mit ihm m.E. keine Geschäfte machen.

Jetzt bin ich gespannt auf die nächste Diskussionsrunde hier im Haus. Wird dem Vertrieb gar nicht schmecken... :-)

Viele Grüße
Sternschnuppe289
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