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Wer trägt die Lagerkosten, Detention und Demurrage?

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JSFT #1 Link


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Dabei seit: Okt 24, 2017
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 24 Okt 2017 - 09:16

Hallo zusammen,

das ist mein erster Beitrag hier und ich hoffe auf Hilfe erfahrener Importeure. Wir haben einen Container über eine Spedition importieren lassen. Das war der dazugehörige Angebotstext:

" ab FOB ... bis DAP ... bitte sehen Sie nochmals anbei:

Ab FOB bis DAP EUR
Zoll und Einfuhrumsatzsteuer gem. Auslage

Dieses Angebot ist exklusive einer Transportversicherung, Zölle und Steuern, Lagergeld, Wartezeiten, Demurrage, Detention und Drop Off Gebühren. Es basiert auf heutigen Kursen/Kosten und ist freibleibend bis zum endgültigen Abschluss."


Das Schiff sollte am 11.10. in Hamburg ankommen und am 16.10. sollten wir den Container in unserem Lager ausladen können. Am 12.10. habe ich die Nachricht erhalten, dass noch keine Zollfreigabe vorliegt und die Anlieferung sich um einen Tag auf den 17.10.10. verschiebt. Am 13.10. wurde ich vormittags darüber informiert, dass die Deadline für eine Anlieferung am 17.10. eine Zollfreigabe bis 12 Uhr ist. Am gleichen Tag um kurz nach 14 Uhr wurde mir mitgeteilt, dass weiterhin keine Zollfreigabe vorliegt und die Bahn die Verladung des Containers auf den frühestmöglichen Zeitpunkt, den 23.10. verschiebt. Dadurch entstehen die oben genannten zusätzlichen Kosten für Lagergeld, Demurrage und Detention.

Alternativ hatte mir die Spedition angeboten, den Container am Donnerstag, den 19.10. per LKW holen zu lassen und für einen hohen dreistelligen Aufpreis zzgl. der bis dahin entstanden Lagerkosten etc. am Freitag, den 20.10. anzuliefern. Dem habe ich aus verschiedenen Gründen zugestimmt.

Nun überlege ich, ob ich tatsächlich die gesamten anfallenden Kosten (Lager etc. sowie LKW-Transport) tragen muss. In einem Gespräch mit dem Zoll habe ich erfahren, dass die Voranmeldung am 10.10. um 16.01 Uhr vorlag, der Container am 13.10. um 16.20 Uhr freigegeben war. Laut Zoll wäre das eine übliche, momentan sogar außergewöhnlich schnelle Abfertigungszeit. Wenn die Spedition den Weitertransport so knapp plant, dass die Zeit nicht reicht und dann zeitnah keinen alternativen, freien Bahnplatz erhält oder einen LKW stellen kann, ist das meines Erachtens nicht mein Verschulden, sondern das der Spedition. Daher sollte die Spedition die Zusatzkosten tragen. Anders wäre für mich die Situation bei Lagergeld, das aufgrund nicht von der Spedition zu verantwortenden Umstände anfällt.

Wie seht ihr die Situation?

Vielen Dank im Voraus und freundliche Grüße
Julian Sauter
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cobra9.0 #2 Link


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Dabei seit: Mar 19, 2012
Beiträge: 241

BeitragVerfasst am: 24 Okt 2017 - 10:03

Hallo Herr Sauter,

ich beginne mal mit einer Gegenfrage: Welchen Fehler hat denn Ihrer Meinung nach die Spedition gemacht, der dazu führen sollte, dass die Spedition die Mehrkosten übernehmen sollte? Dass der Zoll in Hamburg aus Personalnot derzeit zwischen drei und sieben Tage für die Bearbeitung von Zollanträgen braucht? Oder das der Sturm Xavier (6.10) den Bahnverkehr im gesamten norddeutschen Raum für rund zwei Wochen massiv beeinträchtigt hat und deshalb viele Transporte auf die Straße ausgewichen sind?

Die unverbindlichen Planungen (!) der Spedition sahen offenbar vor, dass das Schiff am 11.10 eintreffen und der Container 5 Tage später bei Ihnen sein sollte. Als diese Planung nicht mehr einzuhalten waren, hat die Spedition - wie Sie selbst ausgeführt haben - Sie entsprechend unterrichtet und Ihnen (!) die Entscheidung überlassen, wie schnell Sie die Ware haben möchten. Sie haben dann eine Entscheidung getroffen und wollen jetzt im nachhinein der Spedition den Schwarzen Peter für die Mehrkosten zuschieben. Nichts für ungut, aber ein fairer Umgang miteinander sieht für mich anders aus!

mfg.
Cobra9.0
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JSFT #3 Link


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Dabei seit: Okt 24, 2017
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 24 Okt 2017 - 12:02

Hallo Cobra,

zunächst vielen Dank für die ausführliche Antwort. Leider bin ich nicht erfahren genug, um die Situation vollumfänglich beurteilen zu können. Daher frage ich hier nach. Natürlich geht es mir dabei darum, mit dieser Nachfrage die entstandenen Mehrkosten aus meiner Sicht zu mindern. Die Mehrkosten hätten sich übrigens in beiden Fällen, unabhängig ob Bahntransport oder LKW-Abholung, nicht viel geschenkt. Das bedeutet, die Kosten waren daher von meiner Entscheidung unabhängig.

Zumindest möchte ich versuchen zu verstehen, warum die Spedition korrekt gehandelt hat und vor allem wie ich solchen Vorkommnissen zukünftig vorbeugen kann:

Meine Einschätzung war, dass eine Spedition in der Lage sein sollte, gewisse Unwägbarkeiten flexibel handzuhaben. Damit meine ich in diesem Beispiel den Container zumindest am Montag nach der Freigabe vom Freitag per LKW zu holen. Wenn es nur die Möglichkeit einer Abholung 6 Tage später gibt, erscheint mir das zu spät, unflexibel und als Fehler in der Planung der Spedition. Ist das mein Fehler? Ist das eine Fehleinschätzung? Gibt es eine Möglichkeit, wie ich damit zukünftig umgehen kann, um so etwas zu vermeiden?

Genauso sehe ich es mit der Personalnot des Zolls. Diese Personalnot sowie die damit verbundenen Bearbeitungszeiten sollte doch die Spedition im Auge haben und den Weitertransport entsprechend rechtzeitig projektieren. Ist das mein Fehler? Ist das eine Fehleinschätzung? Gibt es eine Möglichkeit, wie ich damit zukünftig umgehen kann, um so etwas zu vermeiden?

Mit meiner Spedition gab es diesbezüglich übrigens noch keinerlei Kommunikation, da ich selbst an einer fairen Lösung interessiert bin und mich vorher mit erfahreneren Personen austauschen wollte.

Freundliche Grüße und danke für eure Hilfe
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cobra9.0 #4 Link


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Dabei seit: Mar 19, 2012
Beiträge: 241

BeitragVerfasst am: 24 Okt 2017 - 13:53

Ich kann Ihren Wunsch nachvollziehen, sich zukünftig vor Mehrkosten schützen zu wollen. In einer perfekten Welt wäre die theoretische Planung und die praktische Abwicklung i.d.R. identisch, aber in einer solchen Welt leben wir nun mal nicht. Und wenn Sie sich anschauen, wer in einer globalen Lieferkette alles an Beteiligten vorhanden ist, werden Sie zum Ergebnis kommen, dass Sie auch zukünftig mit Unwägbarkeiten und daraus resultierenden Mehrkosten werden leben müssen.

Sie gehen zwar zu recht davon aus, dass eine Spedition auf "gewisse Unwägbarkeiten" flexibel reagieren können muss. Die Frage ist nur, was man unter Unwägbarkeiten versteht und wie viel einem ein "flexibler" Service wert ist?

Selbst wenn man an einem Freitag nachmittag um 16.20 Uhr eine Zollfreigabe erhält, findet man - insbesondere wenn Sie meine Ausführungen zur damaligen Wettersituation aufmerksam gelesen haben - nicht mal eben einen Lkw, der einem am darauffolgenden Wochenanfang kurz mal einen Container abholt, es sei denn, man ist eben bereit einen Sondertransport zu bezahlen. Und dann reden wir in der Regel nicht über die Mehrkosten, die Sie vermutlich jetzt in Rechnung gestellt bekommen haben.

Ähnlich verhält es sich mit der Personalsituation bei Zoll. Wie ich bereits ausgeführt habe, benötigt der Zoll derzeit i.d.R. zwischen 3 und 7 Tagen für eine Abfertigung. Vielleicht hat die Spedition eine gewisse Unwägbarkeit bei der Bearbeitung ja schon eingeplant gehabt. Wie Sie selbst geschrieben haben, hat Ihnen der Zoll gegenüber ausgeführt, dass Sie mit den drei Tag zu den "Gewinner" gehört haben. Es hätte also auch 7 Tag dauern können und vielleicht kommt bei nächsten Mal noch eine Zollbeschau hinzu. Dann warten Sie sicherlich noch mal ein zwei Tag länger.

Wenn ich Sie richtig verstanden habe, hätte die Spedition dies von Anfang an bei ihren Planung berücksichtigen müssen? Das ist m.E. illusorisch oder hätten Sie es besser gefunden, die Spedition hätte am Anfang gesagt, dass die Hafenabwicklung bis zu 21 Tage dauern kann, weil es theoretisch Behördenkontrollen, Unwetter, Streiks u.ä. geben könnte. Hätten Sie sich dann besser gefühlt, wenn die Waren dann bereits nach 7 Tagen bei Ihnen und es dazu noch günstiger als offeriert gewesen wäre? Falls ja, freut sich die Spedition bestimmt über diesen Tipp und wird ihn zukünftig berücksichtigen :-)

Um nicht missverstanden zu werden: Ich kann als Laie auch nicht immer nachvollziehen, weshalb die Produktion eines Autos oder von Möbeln mitunter x-Monate dauern muss. Die Antwort liegt vermutlich auch darin begründet, dass es sich eben um eine Massenproduktion handelt und nur deshalb bestimmte Preise möglich sind. Und genau so ist es auch im Speditionsbereich. Aber jetzt schweife ich ab.

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betterorange #5 Link


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Dabei seit: Apr 02, 2007
Beiträge: 1204
Ort: Düsseldorf
BeitragVerfasst am: 25 Okt 2017 - 10:40

Eine Geschäftsbeziehung ist keine Einbahnstrasse.

Es kommt vor, das sich Dienstleister, Spediteure sich auch mal von einem Kunden trennen, wenn das Vertrauen, das Verständnis vom Kunden nicht da ist.

Bitte bedenke das.
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Stefan1531 #6 Link


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Dabei seit: Jun 30, 2006
Beiträge: 467
Ort: Stuttgart
BeitragVerfasst am: 27 Okt 2017 - 11:57

Hallo JSFT, auch von mir ein paar Gedanken dazu:

Dein Spediteur hätte selbstverständlich auch ganz flexibel sein können und ab dem Tag nach Schiffsankunft einen LKW auf "Stand by" am Zollamt bzw. Hafen abstellen können.

Dann wären Kosten von schätzungsweise 100 EUR je Stunde (tagsüber) sowie gesetzliche Nacht- und Wochenendzuschläge angefallen.

So hätte der Spediteur sehr flexibel reagieren können. Das geht, ist machbar, wenn es jemand vorher anmeldet und bezahlt.
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Dabei seit: Okt 24, 2017
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 27 Okt 2017 - 15:23

@betterorange: Es kommt ebenfalls vor, dass sich Kunden von Spediteuren trennen. Leider hilft mir deine Antwort inhaltlich überhaupt nicht weiter. Was du mir damit sagen willst, habe ich verstanden und versuche ich mit den Fragen hier zu vermeiden.

@Stefan1531: Zwischen einem LKW dauerhaft ab Schiffsankunft abstellen und 7 Tagen Wartezeit gibt es aus meiner Sicht noch einige Abstufungen.

Trotzdem danke auch an euch beide für euer Feedback.

@cobra9.0: Danke für deine ausführliche Antwort. Was würde denn ein Sondertransport eines Containers kosten? Mir entstehen niedrige vierstellige Mehrkosten durch die Lagerkosten, Demurrage und Detention sowie den LKW-Transport als Ersatz für den Bahnverkehr. Den Schienenverkehr sowie die anschließende Anlieferung müsste man vermutlich noch gegenrechnen.

Generell würde ich mich noch über eine Antwort freuen, ob ich einen Fehler gemacht habe und falls ja, welchen? Oder muss man grundsätzlich in diesem Geschäft mit solchen Unwägbarkeiten und Mehrkosten unabhängig von eigenem oder fremdem Verschulden oder höheren Umständen kalkulieren?

Darüber hinaus möchte ich nochmals zu meinem ursprünglichen Gedanken zurück. Würdet ihr an meiner Stelle versuchen einen Kompromiss mit der Spedition zu finden oder seid ihr der Meinung, dass ich die Mehrkosten ohne wenn und aber alleine zu tragen habe und lediglich meine Geschäftsbeziehungen mit der Spedition riskiere?
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