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SOLAS Wiegemethoden bei EXW-Sendungen


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Projektkoordinator #1 Link


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Dabei seit: Mai 14, 2009
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BeitragVerfasst am: 27 Jun 2016 - 07:59

Guten Morgen,

in meinem Unternehmen wird momentan das SOLAS-Thema diskutiert. Hier wurden u.a. EXW-Sendungen angesprochen. Persönlich bin ich der Meinung, dass der Verkäufer für das VGM verantwortlich ist, da in der EXW-Klausel u.a. steht, dass der Verkäufer für die Verpackung verantwortlich ist.

Nun stellen sich andere Stellen die Frage, ob zumindest die Methode 1 mit Verwiegen des ganzen Containers nicht doch auf den Spediteur des Kunden abgewälzt werden kann?

Hat hierzu eventuell jemand Informationen bzw. kann mir mitteilen, wie es in anderen Unternehmen umgesetzt wird?

Danke.
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HunkyDory #2 Link


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Ort: Der schöne Niederrhein
BeitragVerfasst am: 27 Jun 2016 - 09:48

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da in der EXW-Klausel u.a. steht, dass der Verkäufer für die Verpackung verantwortlich ist.

Container sind Transportmittel und keine Verpackung.

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Nun stellen sich andere Stellen die Frage, ob zumindest die Methode 1 mit Verwiegen des ganzen Containers nicht doch auf den Spediteur des Kunden abgewälzt werden kann?

Ja, würden wir bei EXW so handhaben.

Gruß/HunkyDory
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Projektkoordinator #3 Link


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Dabei seit: Mai 14, 2009
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 27 Jun 2016 - 12:52

Stimmt da hast du natürlich recht. Da habe ich zu kurz gedacht. Für die Verladung, in diesem fall die Stauung, bin ich bei EXW nicht verantwortlich.

Habt ihr das Thema an eure Kunden kommuniziert? Ich bekomme von den EXW-Spediteuren unserer Kunden bislang noch die Info, dass wir als Exporteur dafür verantwortlich wären unabhängig von den Incoterms.
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HunkyDory #4 Link


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Ort: Der schöne Niederrhein
BeitragVerfasst am: 27 Jun 2016 - 16:36

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Ich bekomme von den EXW-Spediteuren unserer Kunden bislang noch die Info, dass wir als Exporteur dafür verantwortlich wären unabhängig von den Incoterms.

Nicht der Exporteur, sondern der Befrachter (shipper) ist gem. SOLAS-Regelungen dafür verantwortlich.

Der Befrachter (shipper) schließt mit dem Verfrachter (carrier) den Seefrachtvertrag ab und zahlt die vereinbarte Fracht.

Bei EXW seid ihr also fein raus. Ihr seid ja nicht Vertragspartner des Verfrachters. Das Wiegen des Containers könnt ihr also auf den Spediteur des Kunden "abwälzen".

Gruß/HunkyDory
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cobra9.0 #5 Link


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Dabei seit: Mar 19, 2012
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BeitragVerfasst am: 28 Jun 2016 - 07:35

Manchmal wundert es einen, mit welchem Selbstverständnis Behauptungen aufgestellt und für zutreffend erachtet werden.

Wieso sollte der EXW-Verkäufer das Wiegen des Containers auf den Spediteur des Kunden "abwälzen" können? Was hat der Spediteur mit den Kaufvertragsmodalitäten (Incoterms) zu tun? Bestenfalls können die Kaufvertragsparteien untereinander vereinbaren, wer welche Pflichten übernehmen soll. Was hinterher der Auftraggeber mit dem Spediteurs im Speditionsauftrag vereinbart und wer Vertragspartner des Verfrachters wird und das VGM - kann ja auch ein Dritter sein - ermitteln muss, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Gruß
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Projektkoordinator #6 Link


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Dabei seit: Mai 14, 2009
Beiträge: 238

BeitragVerfasst am: 28 Jun 2016 - 10:51

Danke für die bisherigen Informationen.

Allerdings habe ich eine weitere Frage dazu. Ein Frachtführer verlangt die Abgabe eines Formulars zum VGM einer LCL-Sendung. Berichtigt mich gerne, aber in diesem Fall sollte der Container doch am Ende der Beladung vom Frachtführer gewogen werden? Muss ich im Falle einer LCL-Sendung ein Formular des jeweiligen FF ausfüllen oder reichen die Angaben in meinen Exportdokumenten aus?

Danke.
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betterorange #7 Link


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Dabei seit: Apr 02, 2007
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Ort: Düsseldorf
BeitragVerfasst am: 29 Jun 2016 - 11:58

Jeder, der seine Ladung abgibt sollte auch eine verpflichtende Erklärung abgeben, dass das angegebene Gewicht (z.B. der LCL Sendung) auch das tatsächliche ist.

Ob das dann im Sammelcontainer raus geht hat da erst mal keine Auswirkung.

Irgendwie muss da ja mal langsam Schliff an die Angelegenheit.
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UGedius #8 Link


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Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 29 Jun 2016 - 14:18

Das Problem ist bei uns in der Firma momentan heiß diskutiert und war ein echtes Streitthema mit den Spediteuren. In der Tat habe ich auch gelesen, dass der Befrachter (Shipper) in der Verantwortung zur Abgabe des VGM (verified gross mass) steht. Sehen die Spediteure (wer hat wirklich Recht?) ganz anders..

Es wurden jetzt Preise von bis zu 150 Euro pro Vorgang und Container von den Spediteuren aufgerufen, wenn der Container durch Sie verwogen werden soll. Argumentiert wird das Fahr-/ Wartezeiten / Wägekosten selbst etc... Methode 2 (Addition) kommt für uns nicht in Frage (zu hoher Personalaufwand für die Export Abteilung).

Haben uns für Methode 1 entschieden und haben eine Lkw Waage installiert - lohnt sich wirtschaftlich gesehen für uns schon nach 2 Jahren von der Investition. Waage ist grad diese Woche von der Fa. OAS mit SB-Wägemöglichkeit für den Fahrer (so brauchen wir kein Personal für das Thema abstellen) installiert worden. Wer eventuell Interesse ha schaut auf: oas.de unter SOLAS Waage für SOLAS konforme Bruttomassenermittlung- da gibt es mehr Informationen und kann ich bisher nur empfehlen.

Positiver Nebeneffekt war noch zusätzlich, das wir sie zur Überladungskontrolle von Rohstofffahrzeugen nutzen können. Insgesamt bin ich mal gespannt, wie das ganze Thema weitergeht und was die Gesetzgebung noch im "Köcher" hat.
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nesimo #9 Link


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Dabei seit: Jan 04, 2011
Beiträge: 3
Ort: Nürnberg
BeitragVerfasst am: 29 Jun 2016 - 20:42

Projektkoordinator wrote:
Danke für die bisherigen Informationen.

Allerdings habe ich eine weitere Frage dazu. Ein Frachtführer verlangt die Abgabe eines Formulars zum VGM einer LCL-Sendung. Berichtigt mich gerne, aber in diesem Fall sollte der Container doch am Ende der Beladung vom Frachtführer gewogen werden? Muss ich im Falle einer LCL-Sendung ein Formular des jeweiligen FF ausfüllen oder reichen die Angaben in meinen Exportdokumenten aus?

Danke.

Hallo, Exportdokumente reichen aus. Der Spediteur muss das VGM ermitteln. Entweder er selber, wenn er einen eigenen Packschuppen hat oder sein Verpacker oder er gibt es einem Co-Loader (Saco, Ecu Line,..). Ciao
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Danser #10 Link


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Ort: Basel
BeitragVerfasst am: 29 Jun 2016 - 21:25

Ich bin der Meinung, dass hier leider alles nicht zutrifft.

SOLAS ist dem Gefahrgutrecht angeschlossen und das VGM ein neuer Bestandteil hieraus.

So wie der Versender / Hersteller der korrekten Deklaration zuteilig ist, so ist es auch beim VGM.

Sehen wir den Spieß um.

Wir nehmen an, dass ein Unfall auf See geschieht durch falsches Stauen auf dem Seeschiff. Ursache falsches VGM.
Der Versender wird analog zum Gefahrgutrecht schuldig, ein Vertragsklausel wirkt hier nicht.
Beispiele sind vergleichbar zu finden falsche Ladungssicherung. Rechtlich wird dies sicher gleichgestellt, bin sehr gespannt auf die ersten Rechtssprechungen.

Somit quad erat demonstrandum

VGM - Shipper muss dies liefern, egal ob EXW oder nicht
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cobra9.0 #11 Link


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Dabei seit: Mar 19, 2012
Beiträge: 207

BeitragVerfasst am: 30 Jun 2016 - 07:49

@Danser @nesimo Falsche Behauptungen werden auch dann nicht besser, wenn man sie X-mal wiederholt.

1. Das Verwiegen hat nichts, aber auch gar nichts mit Gefahrgutrecht zu tun. Das SOLAS-Übereinkommen enthält 12 Kapitel. Im Kapitel 6 (Fracht) geht es u.a. um das Verwiegen und in Kapitel 7 um Gefahrgut. Es hat also schon seinen Grund, weshalb das Kapitel 6 und nicht dass Kapitel 7 erweitert wurde. Es gibt auch ein Kapitel, in dem es um die Funk-Kommunikation geht. Nicht, dass jetzt noch jemand behauptet, dieses Kapitel habe auch etwas mit Gefahrgutrecht zu tun.

2. Wer für die Ermittlung des VGM verantwortlich ist, ist nun wirklich eindeutig (!) in den SOLAS-Richtlinien definiert. In 4.1 heißt es wörtlich: "Der Befrachter ist für die Feststellung und Dokumentation der bestätigten Bruttomasse eines beladenen Containers zuständig."

Und auch wer "Befrachter" ist, ist in den SOLAS-Richtlinien eindeutig (!) definiert: In 2.1.12 heißt es wörtlich: "Der Ausdruck Befrachter bezeichnet eine juristische oder eine natürliche Person, die im Konnossement oder Seefrachtbrief oder in einem äquivalenten multimodalen Beförderungsdokument (z. B. Durchkonnossement) als Befrachter und/oder als diejenige Person eingetragen ist (in deren Namen oder in deren Auftrag) ein Beförderungsvertrag mit einer Reederei geschlossen wurde."

Insofern ist es einfach falsch zu behaupten, dass der Spediteur für die Ermittlung des VGM verantwortlich ist. Nur wenn er gleichzeitig auch Befrachter ist, hat er eine entsprechende Verpflichtung aus SOLAS heraus.

Und zu guter Letzt noch einmal der Hinweis, dass die INCOTERMS Kaufvertragsklausel sind, die die Rechte und Pflichten zwischen dem Verkäufer und Käufer regeln. Diese Klauseln haben nichts mit dem Auftrag an Spediteure oder gar den SOLAS-Richtlinien zu tun.

Gruß
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Danser #12 Link


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Dabei seit: Dez 07, 2011
Beiträge: 30
Ort: Basel
BeitragVerfasst am: 30 Jun 2016 - 10:16

Danke Cobra
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empty_bottle #13 Link


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Dabei seit: Jul 14, 2014
Beiträge: 5
Ort: Neustadt bei Coburg
BeitragVerfasst am: 01 Jul 2016 - 10:30

Hallo zusammen,

mich würde interessieren, ob man pauschal sagen kann das z.B. einen 20' Container 2,3 t leer wiegt.
Wir würden gerne die Leergewichte EDV seitig hinterlegen.

Hat jemand dazu bereits Erfahrungen gesammelt?

LG
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cobra9.0 #14 Link


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Dabei seit: Mar 19, 2012
Beiträge: 207

BeitragVerfasst am: 01 Jul 2016 - 11:00

Sorry, aber das ist der falsche Ansatz.

Die zuständige Behörde hat die Frage, wie Nettomasse (Tara) des Containers bei Methode 2 zu ermitteln eindeutig beantwortet. Dort heißt es: "Die Nettomasse (Tara) kann von der Containertür abgelesen oder aus einer von der Reederei ggf. zur Verfügung gestellten Liste übernommen werden."

Daran würde ich mich schon aus Eigeninteresse halten.

Gruß
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empty_bottle #15 Link


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Dabei seit: Jul 14, 2014
Beiträge: 5
Ort: Neustadt bei Coburg
BeitragVerfasst am: 01 Jul 2016 - 11:03

Danke für die Info!

Damit ist diese Variante auch für uns hinfällig!

LG
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