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Erweiterung des Panamakanals: milliardenschwere Herausforderung für die Versicherungsindustrie

Recht & Versicherung | Dienstag, 05 August 2014 | 733 | 0

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Während die Vorbereitungen für das 100-jährige Jubiläum des Panamakanals laufen, rechnen Versicherungsgesellschaften mit erhöhten Risiken durch die geplante Verdoppelung der Ladekapazität der Schiffe, die den Kanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt, passieren. In einer aktuellen Studie, „Panama Canal 100: Shipping Safety and Future Risks“, führt Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), einer der führenden Seeversicherer, auf, wie sich der Wert der versicherten Güter, die den Kanal jeden Tag passieren, erhöht.
Nach Fertigstellung der zwei neuen Schleusen, durch die eine dritte Route für größere Transite entsteht, könnte der Wert auf mehr als 1 Milliarde US-Dollar ansteigen.

Jedes Jahr passieren mehr als 12.000 Hochseeschiffe den Kanal. Mit der für 2015 geplanten Inbetriebnahme der neuen Schleusen wird ihre Zahl nochmals deutlich ansteigen. Durch den Ausbau sollen jeden Tag zwölf bis 14 größere Schiffe den Kanal passieren können (rund 4.750 zusätzliche Schiffe pro Jahr), darunter viele Containerschiffe der neuen Panamax-Maße mit 12.600 TEU. Diese Schiffe sind noch mal deutlich größer als die größten Schiffe, die den Kanal derzeit durchfahren können (4.400 TEU).

Kapazitätsausbau bringt neue Risiken mit sich

Schon heute passieren jedes Jahr rund 3 Prozent (270 Milliarden US-Dollar) des weltweiten Seehandels (8 Billionen US-Dollar) den Panamakanal. Daher ist die Sicherheit der Schiffe auf dieser Route von größter Bedeutung. Die AGCS-Experten warnen jedoch, dass das höhere Verkehrsaufkommen und die größeren Schiffe nach den Fortschritten der letzten zehn Jahre zu Rückschlägen in der Sicherheitsbilanz des Panamakanals führen könnten, da die erste Ausbauphase mit erhöhten Risiken einhergeht.

Captain Rahul Khanna, Global Head of Marine Risk Consulting bei AGCS, erläutert die möglichen Folgen der Erweiterung für das Risikomanagement: „Größere Schiffe stellen automatisch ein höheres Risiko dar. Allein die hohe Frachtmenge kann bei einem schweren Unfall zu erheblichen Verlusten und Unterbrechungen führen. Beispielsweise kann die Ladung eines voll beladenen Containerschiffes der neuen Panamax-Maße mit 12.600 TEU, das eine Länge von etwa vier Fußballfeldern und eine Höhe bis zu 49 Metern besitzt, einen Versicherungswert von bis zu 250 Millionen US-Dollar haben.“

Bei voller Plankapazität könnten AGCS-Schätzungen zufolge zusätzlich 1,25 Milliarden US-Dollar versicherte Güter den erweiterten Kanal durchqueren. Für die Erhöhung der Durchlaufmenge sind in erster Linie die größeren Schiffe verantwortlich.

Auf einer viel befahrenen Wasserstraße wie dem Panamakanal können Unfälle mit Schiffen dieser Größenordnung enorme Herausforderung darstellen oder sogar zu Blockaden führen. Im Ernstfall kann es an ausreichend qualifizierten Experten fehlen, die in der Lage sind, die neuen Panamax-Schiffe zu bergen.

Zunehmende Auswirkungen auf die Region

Die potenziellen Auswirkungen von Transportunfällen gehen weit über Störungen des Schiffsverkehrs im Panamakanal selbst hinaus. Durch das höhere Aufkommen größerer Schiffe in der Umgebung könnte ein Störfall auch den Verkehr in wichtigen Häfen in den Vereinigten Staaten und der gesamten Region behindern und zu einem Anstieg an Betriebsunterbrechungsschäden führen.

Außerdem besteht für eine Reihe amerikanischer Häfen und Terminals an der Ost- und Golfküste ein Hurrikan-Risiko. Dieses erhöht sich mit dem längeren Aufenthalt immer größerer Schiffe und einem gestiegenen Wert versicherter Güter in den Häfen. Beispielsweise ist ein Großteil der Verluste beim Supersturm Sandy im Jahr 2012 auf die Sturmflut zurückzuführen, die Häfen im Nordosten der Vereinigten Staaten überschwemmte.
Die Versorgung größerer Schiffe erfordert auch eine Reihe von Änderungen in den globalen Häfen entlang der Lieferkette des Kanals. Dazu zählt beispielsweise die Verbesserung der Infrastruktur in Form von größeren Portalkränen, die für größere Schiffe und ein erhöhtes Volumen ausgerichtet sind. Um gerade an Nadelöhren in den Häfen Engpässe zu vermeiden, muss auch die Verarbeitungskapazität ausgebaut werden. Der Schlüssel liegt hier in der Befahrbarkeit: Schiffshöhe und Tiefgang müssen entsprechend sein, um den größeren Containerschiffen eine sichere Passage zu ermöglichen.

Eine weitere große Herausforderung betrifft die eigentliche Abfertigung der größeren Schiffe. Angesichts der begrenzten Manövrierfähigkeit der Riesenschiffe werden die Betriebsabläufe in den Häfen im Hinblick auf wind- und wetterbedingte Beschränkungen überarbeitet werden müssen.
Im Gegenzug könnte eine erweiterte Wasserroute von Asien an die Ost-/Golfküste der Vereinigten Staaten die Risiken in einem anderen Bereich sogar reduzieren. „Je länger ein Container auf einem Schiff verbleibt, ohne auf Züge oder andere Transportmittel umgeladen zu werden, desto besser“, erklärt Captain Alan Breese, Senior Marine Risk Engineer bei AGCS.

Risikominderung durch erstklassige Schulungen

AGCS ist überzeugt, dass Schulungen entscheidend sind, um den neuen Risiken in der Kanalregion und den betroffenen Häfen zu begegnen.

„Für viele Reeder schafft der Ausbau des Panamakanals neue Bedingungen“, erklärt Captain Khanna. „Angesichts der höheren Zahl größerer Schiffe, die diese wichtige Wasserstraße passieren werden, sind entsprechende Schulungen der Schiffsführer extrem wichtig. Allein das Manövrieren dieser Schiffe durch eine derart enge Passage ist mit deutlich höheren Risiken verbunden.“

Die Panama Canal Authority hat bereits erhebliche Investitionen in Schulungen getätigt und will unter anderem ein Schiff mit neuen Panamax-Maßen chartern, um Manöver auf der neuen Route zu üben.

Wie Captain Khanna betont, können die Schulungen allein die Mannschaften jedoch nicht auf die neuen Herausforderungen der Passage durch den Kanal vorbereiten: „Dynamische Prozesse und Systeme sind von größter Bedeutung, und die Branche muss aus ihren unvermeidlichen Fehlern im Alltag lernen.“
Er ergänzt: „Es wird zwar umfangreiche Trainings geben, zwangsläufig aber nur auf wenigen Schiffen. Mit der tatsächlichen Inbetriebnahme wird jedoch eine Vielzahl unterschiedlicher Schiffe den erweiterten Kanal passieren. Das wird eine Herausforderung.“

Unfälle im Fokus

In ihrer Studie stellen die AGCS-Experten aber auch fest, dass sich die Sicherheitsbilanz der Panamakanal-Region in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert hat. Bei insgesamt nur 27 Schiffsunfällen habe es in den letzten zehn Jahren lediglich zwei Totalschäden gegeben.

Diese Quote von rund 1 Unfall pro 4.000 Durchfahrten vergleicht sich sehr positiv mit anderen großen Wasserstraßen wie dem Suezkanal (1 Unglück pro 1.100 Passagen) und dem Nord-Ostsee-Kanal (1 Unfall pro 830 Durchfahrten). Angeführt wird die Liste der Unfälle im Kanal von den Schiffen, die diesen am häufigsten frequentieren: Massengutschiffe (11), Frachttransporter (9) und Containerschiffe (9). Zusammen machen diese mehr als 75 Prozent aller Unglücke seit dem Jahr 2002 aus.Auf diesem relativ stark kontrollierten Wasserweg sind die häufigsten Unfallursachen seit 1993 das Streifen der Kanalwände (53) und Kollisionen mit anderen Schiffen (50). Beide zusammen manchen fast 60 Prozent der von AGCS untersuchten Unfälle aus. Maschinenschäden/-versagen stehen mit einem Anteil von 20 Prozent an dritter Stelle (41).

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