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Einfuhr an Privatpersonen


Alles zu den zu beachtenden Verfahrensregeln und Rechtsvorschriften für die Einfuhranmeldung. Die verschiedenen Einfuhrverfahren und deren Abläufe, Beteiligte und Fristen. Vereinfachungen und Erleichterungen. Mögliche Rechtsverletzungen und eventuelle Bußgelder. Möglichkeiten der Abgabenbefreiung, Rückwaren, Sendungen mit geringem Wert.


dudlik Geschrieben am 23 Februar 2019



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3 Beiträge
Hallo
Wir haben einen Uhrenwebshop in der CH, und möchten an Privatpersonen in der DE verschicken / verkaufen (Wert zwischen 100-2000 €) mit dem incoterm DDP. Frage, wird der Privatkunde trotz DDP, vom DE Zoll kontaktiert?
Da bedanke ich mich für Rückmeldungen.
Gruss

CARGOFORUM PARTNER

Chev Geschrieben am 23 Februar 2019



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10 April 2009
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Bei DDP ist der Empfänger normaler Weise komplett außen vor, was Kosten und zollseitige Abwicklung der Sendung betrifft.

Wenn der Paketdienstleister nach DDP korrekt arbeitet, dann verzollt er die Ware für euch als Versender und stellt euch sämtliche Kosten in Rechnung. Der Empfänger wird in diesen Prozess bei DDP normaler Weise nicht einbezogen.

Erzi4 Geschrieben am 24 Februar 2019



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Aber aufgepasst:

Bei einer DDP-Lieferung durch ein drittländisches Unternehmen (aus deutscher Sicht), wird umsatzsteuerrechtlich der Ort der Lieferung nach Deutschland verlagert. D.h., dass die Rechnung an den privaten Empfänger in Deutschland mit deutscher Umstatzsteuer erfolgen muss. Die bei der Einfuhr anfallende Einfuhrumsatzsteuer darfst Du als Vorsteuer geltend machen. Dafür muss Dein Unternehmen allerdings in Deutschland umsatzsteuerrechtlich registriert sein.

Eine weitere Herausforderung: der beauftragte Spediteur/Kurierdienst müsste die Waren als indirekter Vertreter für Dich anmelden, da Du als Schweizer nicht selbst der Zollanmelder sein darfst. Da der indirekte Vertreter aber die volle Verantwortung übernimmt, findet man selten einen Dienstleister, der diese Vertretungsform anbietet. Im Gegenteil, wenn Du nichts sagst, wird der Spediteur i.d.R. einfach auf den privaten Empfänger verzollen (d.h., er wird in der Zollanmeldung so tun, als sei er der direkte Vertreter des privaten Empfängers), Dir jedoch natürlich alle Kosten in Rechnung stellen. Das hört sich erst mal nicht schlecht an. Allerdings gilt dann immer noch, was ich oben geschrieben habe! Das kann eine Zeit lang gut gehen. Du hast aber das Risiko, dass sich irgendwann mal ein deutsches Finanzamt meldet und für alle Lieferungen unter Verweis auf § 3 Absatz 8 UStG nachträglich die deutsche Umsatzsteuer nach erhebt.

Eine mögliche Lösung:
Nicht DDP verkaufen. Statt dessen lieber DAP vereinbaren. Hier wirst Du garantiert nicht der Einführer der Waren in Deutschland, auch nicht aus Umsatzsteuersicht. Der Der Empfänger wird dann tatsächlich selbst Zollanmelder, d.h., der ggf. zu zahlende Zoll und die Einfuhrumsatzsteuer werden ausschließlich dem Empfänger belastet.

Saludos
Erzi4

waldorf Geschrieben am 25 Februar 2019



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1416 Beiträge
Erzi4 beschreibt die Situation richtig. Praktisch sieht das so aus:

1. DAP will der Verkäufer nicht, weil er seinen Kunden nicht mit lästigen Zollthemen und Zusatzkosten nerven will.
2. Eine rechtlich saubere DDP-Lieferung ist ebenfalls lästig wegen der notwendigen VAT-Registrierung. Außerdem ist es sehr schwierig, einen Spediteur/Zollbroker zu finden, der das Risiko der indirekten Stellvertretung wegen der für ihn damit verbundenen Haftung übernimmt.
3. Dazwischen gibt es in der Praxis eine ganze Menge von Varianten, die gelebt werden, aber falsch sind. Z.B. die Abfertigung auf den Empfänger, obwohl er davon gar nichts weiß, mit Rückberechnung der Abgaben an den Verkäufer oder eine Verzollung auf den Absender ohne VAT-Registrierung und VAT-Berechnung an den Käufer. Da steht immer das Risiko der VAT-Nacherhebung bzw. der Verlust des Vorsteuerabzuges im Raum - und das sind immerhin 19%.
4. Eine Variante fehlt noch: der Absender wird in der EU ansässig, entweder über eine Tochtergründung oder zumindest über eine ständige Niederlassung. Aber auch das bedeutet Aufwand und Kosten.

Trotzdem gibt es im B2C/E-Commerce-Bereich zahlreiche Verkäufer bzw. Logistik-DL, die DDP-Lösungen anbieten. Wie das sauber funktioniert, habe ich (noch) nicht verstanden.

Chev Geschrieben am 25 Februar 2019



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10 April 2009
772 Beiträge
Ich denke, es läuft darauf hinaus, dass der KEP-Dienstleister in indirekter Vertretung des drittländischen Versenders handeln wird und ihm alle in diesem Zusammenhang anfallenden Kosten berechnen wird. Dann ist es sauber.

In der Fragestellung am Anfang wurde ja auch DDP grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Sondern es ging um die Frage:

Zitieren::
Frage ist: Wird der Privatkunde trotz DDP, vom DE Zoll kontaktiert?

Und diese Frage ist denke ich mit "Nein" zu beantworten.

Eine Sache ist mir jedoch aktuell unklar, und zwar schrieb Erzi:

Zitieren::

Bei einer DDP-Lieferung durch ein drittländisches Unternehmen (aus deutscher Sicht), wird umsatzsteuerrechtlich der Ort der Lieferung nach Deutschland verlagert. D.h., dass die Rechnung an den privaten Empfänger in Deutschland mit deutscher Umstatzsteuer erfolgen muss.

Das sehe ich nicht so. Sicherlich wird auch ein Unternehmen aus der Schweiz bei einer Lieferung in ein Drittland (auch nach DE) der Umsatzsteuerfreiheit unterliegen. Eben dafür existiert ja die EUSt, die im Normalfall auf den Importeur zukommt. Darum kann ich noch nicht nachvollziehen, warum der Schweizer an den Kunden in D Umsatzsteuer berechnen "muss". Auch, wenn der Schweizer die EUSt. trägt (was ja bei DDP korrekt wäre), so bleibt es meiner Meinung nach eine USt.-freie Drittlandslieferung. Oder habe ich hier eine Wissenslücke?

waldorf Geschrieben am 25 Februar 2019



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1416 Beiträge
Chev, das was Erzi4 zur USt schreibt, ist leider richtig. Das wissen aber nicht viele. Deshalb wird DDP relativ häufig falsch angewendet. Ich bin selber kein USt.-Fachmann, aber Erzi4´s Aussage wurde z.B. auch in mehreren Seminaren von Fachleuten und in der Literatur, z.B. Ritz in AWPrax Nr. 4/2015, S. 117, bestätigt. Oder auch hier: zoll-recht-steuern.de/...falle.html

dudlik Geschrieben am 26 Februar 2019



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Danke für die wertvollen Infos. Leider erkennen wir, dass es nicht ganz simpel.
Wir prüfen via FR ( zoll Regime 42 oder 40) in den EU Raum rein, und dann nach DE.

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