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Auswirkungen des BREXIT auf Transport, Logistik und Zoll


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Wessi Geschrieben am 08 August 2019



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25 November 2010
39 Beiträge
Wie ist eure aktuelle Meinung?
Meint ihr das am 31.10.2019 vorerst das große Stoppschild an der GB-Grenze aufgestellt wird
oder wird es Verlängerungen und Übergangsfristen geben?

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waldorf Geschrieben am 08 August 2019



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23 Juli 2007
1487 Beiträge
Mehr als eine Meinung kann man da nicht abgeben. Es gibt garantiert niemanden auf der Welt, der die Antwort schon kennt.
Meine Meinung: die Situation ist identisch mit der im März. Man muss mit dem wirst-case rechnen und sich bestmöglich vorbereiten.

waldorf Geschrieben am 21 August 2019



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23 Juli 2007
1487 Beiträge
Chev schrieb gestern an anderer Stelle:
"Der Brexit wurde bereits sehr stark hier im Forum diskutiert. Ich sehe es aktuell als nicht sinnvoll an, das Thema wieder aufzurollen. Eventuell sollte man abwarten, welches die nächsten Schritte sind und ob der Brexit überhaupt so kommt wie befürchtet oder - wenn er denn kommt - abzuwarten, wie die Übergangs-fristen gestaltet werden. Und die wird es definitiv geben, das heißt, dass auch nach dem Brexit noch keine Veränderungen eintreten sondern erst nach Ende der Übergangsfristen. Selbst die Medien haben aufgehört, über das Thema zu berichten."

Chev, da bin ich völlig anderer Meinung:
Nach jetziger Rechtslage zwischen UK und EU kommt ein harter Brexit am 31.10. (d.h. Zoll ohne jegliche Übergangszeit), es sei denn
1. UK zieht den Austrittsantritt zurück (extrem unwahrscheinlich)
2. die EU stimmt einer Nachverhandlung und Änderung des Austrittsabkommens zu (was sie bereits abgelehnt hat)
3. in UK gibt es eine Entscheidung über Neuwahlen vor dem 31.10. oder ein 2. Referendum. Dazu wird die Zeit verdammt eng.
Natürlich sagt einem der gesunde Menschenverstand, dass man ein Land nicht so an die Wand fahren kann, aber seit BoJo, Donald Trumpp u.a. ist das leider kein politischer Maßstab mehr.

Das die Medien nicht berichten, kann ich auch nicht bestätigen. Bei mir liegen gerade 2 Artikel aus dem Handelsblatt mit wenig erfreulichen Schlagzeilen "Brexit - Operation Chaos" v. 19.8. und "Berlin rechnet mit No-Deal-Brexit" v. 16.8..

Wir stehen also genau da, wo wir im Frühjahr auch schon waren. Ich muss am 2.11. liefern und kann nicht entspannt abwarten.

Crosslog Geschrieben am 23 August 2019



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10 Beiträge
Hallo zusammen,

es bleibt Spekulation, meine Prognose:

Mit dem Näherrücken des ungeregelten Brexit-Termins am 31.10. wird wie bereits bei den letzten Terminen im März und April eine Welle von "last-minute-before-brexit"-Transporten erfolgen, mit denen präventiv die Läger in UK nochmals gefüllt werden.

Sollte per 01.11. der harte Brexit erfolgen, wird auf englischer Seite zunächst keine Einfuhrzollabfertigung im eigentlichen Sinne stattfinden. Das "TSP Transitional Simplified Procedure" erlaubt, wenn ich es richtig interpretiere, dass die LKW wie bisher ohne Zollstopp zu den Empfängern durchfahren. Eine vereinfachte Sammelanmeldung im Rahmen des TSP durch den Käufer bzw. dessen Zollvertreter erfolgt nachträglich und scheint vergleichbar mit der Intrastat-Meldung zu sein.
Lange LKW-Schlangen auf englischer Seite in den Eingangshäfen oder an den Binnenzollämtern sind damit nicht zu erwarten.

Was die Erledigung der ABD's auf EU-Seite angeht, wird es in den belgischen und niederländischen Fährhäfen, die einen grossen Anteil unbegleitete Trailerverkehre abwickeln und geringer frequentiert sind, keinen Engpass geben.
Der Fährhafen von Calais und der Eurotunnel, über die die Masse der begleiteteten Verkehre läuft, haben ein zweistufiges Kontrollsystem (von französischen und englischen Behörden), das dazu dient, illegale Immigranten abzufangen. An diesen beiden Schleusen können die ABD eingesammelt werden, um dann nachträglich für den Ausgangsvermerk eingescannt zu werden. Diese Mengen zu bewältigen, erfordert natürlich einen entsprechenden Personaleinsatz.
Ein Problem wird sein , wenn LKW's ohne ausgedruckte ABD eintreffen, die bis zur Klärung stehen bleiben müssen und dort das "Nadelöhr" verstopfen. Es müsste ein vorgeschaltetes Kontrollsystem installiert werden, mit dem diese Fahrzeuge rechtzeitig ausgefiltert und abgeleitet werden.

Bei Sammelverladungen mit einer grossen Sendungszahl auf dem LKW, könnte - zumal für zugelassene Versender - eine Lösung sein, bei der Binnenzollstelle ein NCTS Verfahren zu eröffnen und damit die Ausfuhr zur Binnenzollstelle zu verlagern. Dieses NCTS Verfahren müsste dann an der EU Ausgangszollstelle wieder erledigt werden.

In der Gegenrichtung, von Grossbritannien in die EU, wo es soweit im Moment absehbar kein vereinfachtes Verfahren wie das TSP geben wird, müsste die EU Eingangszollabfertigung generell an Binnenzollstellen erfolgen, d.h. auf englischer Sete müsste ein NCTS Verfahren eröffnet werden. Dies dürfte vom Ablauf her sich problematischer gestalten.
Der englische Export ist im Vergleich zum Import jedoch relativ schwach, die Verkehrsströme sind unpaarig. Bereits im Moment fährt ein Teil der LKW's leer von der Insel auf den Kontinent zurück und nimmt erst in Belgien und in den Niederlanden wieder Rückladung auf.
Da jedoch der Export aus GB in die EU voraussichtlich nochmals stark einbrechen wird, wenn Grossbritannien Drittlandsstatus ohne Präferenzabkommen hat, wird dies - sarkastisch gesprochen - ein zu bewältigendes Mengenthema sein.

Warten wir's ab....

waldorf Geschrieben am 26 August 2019



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23 Juli 2007
1487 Beiträge
Danke Crosslog, sehr wertvolle Informationen.
Weisst Du, ob die vom frz. Zoll angekündigte "Smart Border" Anwndung finden wird (Voranmeldung aller MRN und der LKW-Nr. in einem Portal des frz. Zolls mit anschl. Überprüfung, wenn LKW eintrifft ? www.douane.gouv.fr/art...art-border

Crosslog Geschrieben am 26 August 2019



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12 Februar 2015
10 Beiträge
Hallo Waldorf,

danke für den Link, das Verfahren war mir bisher nicht bekannt.

Damit ist nach meiner Einschätzung das Problem weitestgehend gelöst.
Sowohl import- als auch exportseitig werden die Daten per Voranmeldung mit dem Kennzeichen verknüpft:
- bei der Ausfuhr die MRN der ABD oder der NCTS
- bei der Einfuhr die Einfuhrdeklaration zum freien Verkehr oder die zu eröffnenden NCTS Verfahren zu Binnenzollstellen

Bei Einfahrt in die Terminals werden über das Kennzeichen die damit verknüpften Einfuhr- , Ausfuhr- oder Transitverfahren automatisch ausgelöst, z.B. das ABD bekommt einen Ausgangsvermerk.
Wenn die Vorabprüfung des Zolls positiv ausfällt, werden die LKW (und dies wird die Masse sein) auf die "Green Lane" gewiesen. LKW mit Unstimmigkeiten, sensiblen Gütern oder einer negativen Risikoanalyse werden auf eine "Orange Lane" abgeleitet in Stauräume zur weiteren Prüfung.

Da das Verfahren bereits Anfang des Jahres für den Brexit-Termin Ende März publiziert wurde, vermute ich dass es dann auch bei einem harten Brexit per 31.10. kurzfristig implementiert wird.

Chev Geschrieben am 26 August 2019



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10 April 2009
867 Beiträge
Ich gehe dennoch nicht davon aus, dass es am 31.10. einen harten Brexit geben wird. Einen harten Brexit wird es niemals geben. Warum? Es wurde monatelang von einem harten Brexit Ende März geredet - dass dieser auf jeden Fall käme, wenn keine Entscheidungen hinsichtlich Übergangsregelungen fallen. Letztere kamen nicht, aber der harte Brexit kam auch nicht - er wurde nur hinausgeschoben. Und so läuft es doch immer: Flüchtlingskrise, Umweltpolitik,... Ziele werden da im Voraus gesetzt, die werden dann nicht eingehalten - und es werden einfach neue (dann abgeschwächte) Ziele und ein neuer Zeitraum gesetzt, das Problem schiebe ich vor mir her.

Wenn ihr mich fragt: die jetztige "Panikmache" ist dieselbe wir vor ca. einem halben / dreiviertel Jahr.
Sollte es dennoch zum Brexit am 31.10. kommen, wird es eine 1 oder 2-jährige Übergangsfrist geben, in welcher die Veränderungen noch nicht umgesetzt werden. Die UK muss aus 750 Verträgen raus. Das sind Verträge, welche die EU-Mitgliedsstaaten unter sich geschlossen haben und Verträge, welche die EU mit anderen Drittländern geschlossen hat. Das fängt an beim Fischfang, geht über den Reise- und Flugverkehr und endet bei komplexen Handels- und Präferenzabkommen. Die UK fällt nicht nur aus diesen Abkommen heraus, sie muss auch neue (eigene) schließen. Das wird sehr, sehr lange dauern und geht letztendlich nur mit Hilfe von Übergangsfristen. Selbst 1 oder 2 Jahre sind da wahnsinnig kurz. Die UK wird in vielen Dingen "Sonderstatus" bekommen müssen. Unterm Strich ist es im Prinzip nicht möglich, dass ein Land aus der EU austritt.

waldorf Geschrieben am 27 August 2019



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23 Juli 2007
1487 Beiträge
@Crosslog: hier noch eine Info zur Abwicklung im Fährhafen Calais zum Import aus UK: www.portboulognecalais...ort-Export

@Chev: deine Meinung in allen Ehren, aber Unternehmen, für die UK ein wichtiger Markt ist, können nicht abwarten und auf eine Verschiebung hoffen. Sie müssen sich auf den "worst case" eines harten Brexit vorbereiten, auch wenn er dann doch (noch) nicht zum 1.11. kommen sollte.

Chev Geschrieben am 27 August 2019



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10 April 2009
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Zitieren::

aber Unternehmen, für die UK ein wichtiger Markt ist, können nicht abwarten und auf eine Verschiebung hoffen.

Für alle Unternehmen, die bereits im Export / Import tätig sind, wird sich im Prinzip nicht viel ändern. Ein weiteres Drittland kommt hinzu. Es muss evtl. mit einer etwas längerer Laufzeit gerechnet werden, das ist das einzige. Das muss in die Planung mit eingerechnet werden und fertig.

Spediteure, Transportunternehmen und Fahrer sind die eigentlichen Verlierer des Brexit. Die werden die Erschwernisse bzgl. Zollabwicklung und evtl. Verzögerungen direkt zu spüren bekommen, da dies diejenigen sind, die es an den Grenzen physisch umsetzen.

waldorf Geschrieben am 28 August 2019



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23 Juli 2007
1487 Beiträge
Chev wrote:

Für alle Unternehmen, die bereits im Export / Import tätig sind, wird sich im Prinzip nicht viel ändern. Ein weiteres Drittland kommt hinzu. Es muss evtl. mit einer etwas längerer Laufzeit gerechnet werden, das ist das einzige. Das muss in die Planung mit eingerechnet werden und fertig.


Auch hier kann ich nicht ganz zustimmen. Deine Meinung entspricht ja der der Zollverwaltung. Das mag ja stimmen, wenn die Menge der Ex-/Importe des Unternehmens überschaubar ist. Wenn UK aber ein extrem wichtiger Markt ist und Unternehmen täglich dutzende oder gar hunderte von zusätzlichen Exportvorgängen haben (zB E-Commerce) oder UK plötzlich das erste "Zollland" wird, stimmt das überhaupt nicht mehr. Dann beginnt das Problem nicht erst an der Grenze, sondern bereits bei der Planung der zu verladenden Mengen, dessen Einfluß auf den Warenausgangsprozess, die Erstellung der Ausfuhranmeldungen etc., der Übermittlung von Zolldaten an Spediteure/KEPS. Viele Unternehmen, mit denen ich gesprochen habe, unterschätzen das m.E..

Aber letztlich muss jeder selber prüfen, in welchem Umfang er betroffen ist und ob/welche Maßnahmen er jetzt ergreift. Wenn der harte Brexit am 1.11. kommen sollte und alle. die nicht oder schlecht vorbereitet sind, Probleme bekommen, sollen sie aber bitte nicht dann erst anfangen zu jammern.

motaboi Geschrieben am 28 August 2019



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6 Beiträge
Chev wrote:
Ich gehe dennoch nicht davon aus, dass es am 31.10. einen harten Brexit geben wird. Einen harten Brexit wird es niemals geben. Warum? Es wurde monatelang von einem harten Brexit Ende März geredet - dass dieser auf jeden Fall käme, wenn keine Entscheidungen hinsichtlich Übergangsregelungen fallen. Letztere kamen nicht, aber der harte Brexit kam auch nicht - er wurde nur hinausgeschoben. Und so läuft es doch immer: Flüchtlingskrise, Umweltpolitik,... Ziele werden da im Voraus gesetzt, die werden dann nicht eingehalten - und es werden einfach neue (dann abgeschwächte) Ziele und ein neuer Zeitraum gesetzt, das Problem schiebe ich vor mir her.

Wenn ihr mich fragt: die jetztige "Panikmache" ist dieselbe wir vor ca. einem halben / dreiviertel Jahr.
Sollte es dennoch zum Brexit am 31.10. kommen, wird es eine 1 oder 2-jährige Übergangsfrist geben, in welcher die Veränderungen noch nicht umgesetzt werden. Die UK muss aus 750 Verträgen raus. Das sind Verträge, welche die EU-Mitgliedsstaaten unter sich geschlossen haben und Verträge, welche die EU mit anderen Drittländern geschlossen hat. Das fängt an beim Fischfang, geht über den Reise- und Flugverkehr und endet bei komplexen Handels- und Präferenzabkommen. Die UK fällt nicht nur aus diesen Abkommen heraus, sie muss auch neue (eigene) schließen. Das wird sehr, sehr lange dauern und geht letztendlich nur mit Hilfe von Übergangsfristen. Selbst 1 oder 2 Jahre sind da wahnsinnig kurz. Die UK wird in vielen Dingen "Sonderstatus" bekommen müssen. Unterm Strich ist es im Prinzip nicht möglich, dass ein Land aus der EU austritt.

Zum Glück habe ich einen Chef der das auch so sieht :D
Wir liefern eig. nur innerhalb der EU aus, durch einen harten Brexit mit GB als Drittland werden wir gewaltige Probleme bekommen, da wir bisher nie an Drittländer geliefert haben. Zwar ist schon mit unserem Spediteur vertraglich abgeklärt dass er dann die Erstellung der Zollpapiere übernimmt, aber dazu benötigt er natürlich von uns einen ganz genauen Lieferschein. Was bei unseren derzeitigen Abläufen leider unmöglich ist, da ca. 1/10 der Teile unser Haus ohne Lieferschein verlässt. Das ist derzeit nicht weiter schlimm da wir an unsere eigenen Leute liefern, da tut es auch ein handgeschriebener Lieferschein.
Zollpapiere lassen sich auf diesem Weg natürlich nicht richtig erstellen. Aber zur Not kann ich ja immer noch die Ware ohne Papiere über die innerirische Grenze schmuggeln... ;) Spaß beiseite, aber dieses Beispiel zeigt mir einfach dass es keinen harten Brexit mit GB als Drittland geben kann - es wird Übergangsphasen geben die über Jahre laufen werden.

Es ist einfach Schade das die Politik zu solchen Druckmitteln greift, da werden Millionen, wenn nicht Milliarden in die Vorbereitung eines angedrohten harten Brexit gesteckt. Das ist Geld das den Volkswirtschaften aller beteiligten Ländern verbraten wird, und ich teile gerne die Meinung meines Chefs das wir uns auf diese Panikmache nicht einlassen - denn das verbratene Geld sieht am Ende keiner wieder...

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