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Import aus China per Seefracht


EinImporteur Geschrieben am 28 September 2020



Dabei seit
28 September 2020
2 Beiträge
Hallo!

Ich bin durch eine Google-Suche auf diesen Thread aufmerksam geworden und denke, dass es vielen anderen Leuten helfen könnte, wenn die Infos hier stehen :)

Ich möchte gerne als Privatperson für einen vierstelligen Betrag einen kleinen Bagger in China kaufen. Mir ist bekannt, dass ich Einfuhrumsatzsteuer zahlen muss sowie kein Zoll erhoben wird. Der Bagger kommt als LCL-Ladung in einer Holzbox der Größe 2780mm*1030mm*1650mm, 4.72cbm, Gross weight: 900kg.

Für die Abwicklung im Hamburger Hafen habe ich ein Unternehmen gefunden, das folgende Aufgaben für mich übernimmt:

Hafenkosten in Hamburg (LCL Gebühren) LCL/LCL: gem. Auslage
- Import Zollabfertigung: 63,00 EUR
- Import Abwicklung: 35,00 EUR

Das klingt für mich erst einmal gut, jedoch macht mir der erste Punkt Sorgen. Mir war klar, dass die Hafengebühren im Bereich von 300 Euro (plusminus) liegen könnten.
Jedoch: Laut Angebot des chinesischen Lieferanten berechnet er für den Versand "CFR Hamburg" 120 USD. Auf dem Angebot ist das ein Einzeiler ohne jegliche weitere Informationen. Wenn ich richtig recherchiert habe, ist das sehr / zu wenig. Muss ich damit rechnen, dass erhebliche weitere Kosten auf mich zukommen? Wie könnte ich das herausfinden bzw. mitigieren? Den Transport komplett ab Werk in China zu organisieren, ist mir für diesen Einzelfall und als Neuling zu aufwändig. Den Bagger in DE kaufen ist auch keine Option (Preisunterschied mind. 5000 Euro).

Danke für eure Tipps!

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Chev Geschrieben am 28 September 2020



Dabei seit
10 April 2009
1049 Beiträge
Hallo,

CFR Hamburg für 120 USD für knapp 5 cbm / 1t - das wäre ein Schnäppchen. Ist es aber nicht, denn der chinesische Lieferant und der Versandspediteur in China haben hier einen Plan gestrickt bzw. werden diesen noch stricken.
Und zwar wird der Versandspediteur den Empfangsspediteur in HH für die Beauftragung noch hohe und undurchsichtige (fiktive) Gebühren berechnen, welche der Empfangsspediteur euch dann gezwungener Maßen in Rechnung stellen muss. Diese Gebühren übersteigen die eigentlichen Kosten des CFR-Transports deutlich, sodass der Versandspediteur als auch der Lieferant sich an den Zuschlägen bereichern können. Die 120 USD sind nur eine Masche, auf die ihr reinfallen sollt. Der Chinese bietet euch einen günstigen CFR-Transport an, für dessen Kosten er nach den Incoterms komplett aufkommen müsste. Tut er aber nicht, denn in Wahrheit finanziert ihr über die Zuschläge diese kompletten Kosten + Boni.

Wir sprechen hier von sog. Kick-Back-Zahlungen bei Seefracht-Importen aus Asien - größtenteils per LCL und C-Klauseln als Incoterm (CFR / CIF). Gerade Laien treten hier immer wieder in die Falle.

Der Spediteur, den ihr kontaktiert habt, scheint das Problem zu kennen, indem er die in HH anfallenden LCL Gebühren als "gem. Auslage" ausweist. Denn er weiß ja noch nicht, welche Zuschläge er euch aus China weitergeben muss - während er seine eigenen Gebühren (Kaigebühren, LCL-Service-Charge, etc.) kalkulieren und euch aufzeigen könnte - tut er aber nicht.

Die Empfehlung lautet eindeutig, hier auf FCA zu wechseln. Entweder FCA "Werk des Lieferanten" oder FCA "Seehafen China", dann fallen die Chancen des Lieferanten, euch zu betrügen erheblich. Die meisten Spediteure sollten dies anbieten können, ich würde denjenigen in HH dazu nochmal fragen und dem Lieferanten FCA vorgeben. Es wird am Ende kostentechnisch günstiger für euch sein und ist von Anfang an transparent.

EinImporteur Geschrieben am 11 Oktober 2020



Dabei seit
28 September 2020
2 Beiträge
Danke für deine ausführliche Antwort!
Der chinesische Lieferant bietet zum gleichen Preis wie CFR Hamburg auch FOB Qingdao an. Von da aus würde dann mein deutscher Spediteur übernehmen - laut seinem Angebot für ca. 1000 Euro bis zur Lieferung ins Hamburger Lager inkl. aller Gebühren.
Kann ich da auch noch in eine Falle tappen, oder ist das FOB safe?

Chev Geschrieben am 11 Oktober 2020



Dabei seit
10 April 2009
1049 Beiträge
Zitieren::

Der chinesische Lieferant bietet zum gleichen Preis wie CFR Hamburg auch FOB Qingdao an.

Und das spricht Bände - der Lieferant will euch das CFR als "Schnäppchen" verkaufen. Die 120 USD waren von Anfang an nur der FOB-Preis, der euch aber aus u. g. Gründen als CFR-Preis "verkauft" werden sollte.

Bei "FOB chin. Seehafen" gelingt diese Masche nach meinem Kenntnisstand nicht, da der chin. Versandspediteur durch den deutschen Empfangsspediteur vorgegeben, beauftragt wird - da läuft es also andersherum. Der chinesische Versandspediteur kann dem deutschen Empfangsspediteur hier keine zusätzlichen, fiktiven Kosten in Rechnung stellen. Lieferant und Versandspediteur können hier also keinen "Pakt" schließen.
Bei FOB fallen sogar sämtliche Hafenkosten in China noch zu Lasten des Lieferanten. Der chinesische Versandspediteur belastet diese dann dem chinesischen Lieferanten.
FOB gilt für den Lieferanten bei Container/Stückgut LCL/FCL generell daher als ungünstige Lieferbedingung - aber das ist ja nicht euer Problem. Häufig findet stattdessen FCA Verschiffungsseehafen, statt, dann muss der Lieferant nur am Terminal / Kaibetrieb des chinesischen Versandspediteurs auf seine Kosten anliefern.

Für mich klingt das aber jetzt sauber. 1.000 EUR sind realistisch und transparent und euer Spediteur hat alles in seiner Hand. Euer Spediteur muss dann wie gesagt, die Anlieferadresse in China vorgeben, damit der Lieferant dort korrekt hinliefert.
Im schlechtesten Fall hättest du bei der Variante CFR 2.000 EUR und mehr gezahlt - abgerechnet im Nachgang über euren Empfangsspediteur.

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