Cargoforum Forum für Transport, Logistik, Spedition, Zoll und Außenhandel
Cargoforum.de in Zahlen: 12.838 registrierte User - 0 User online - 32 Gäste online - 60.156 Beiträge - 5.931.977 Seitenaufrufe in 2022



Umstellung der Einfuhrabwicklung


chichi2701 Geschrieben am 22 Juni 2022



Dabei seit
20 Januar 2017
45 Beiträge
Hallo zusammen,

ich möchte gern mal eure Meinungen und Erfahrungen hören zu dem Thema Einfuhrabwicklung und diese ggf. selbst zu machen.
Ihr habt wahrscheinlich alle die Probleme mit den durch Spedition oder Zollagentur erzeugten Zollanmeldungen.
Leider sind diese immer sehr Fehleranfällig, trotz detaillierter Informationen die unserer Seite getätigt werden.

Nun drängt sich natürlich die Frage auf, warum machen wir die Zollanmeldung nicht selbst.

Ich würde hier die Grenzverzollung präferieren. Das heißt das wir uns von der Spedition die entsprechenden Daten geben lassen und am Ende direkt an der Grenze die Verzollung machen lassen. Die Verzollung und Beendigung T1 direkt bei uns sehe ich als kritisch, da hier Fehler passieren werden. Container geöffnet werden, die nicht hätten geöffnet werden dürfen. Beendigung T1 Papier wird vergessen ........

Welche Erfahrungen habt ihr mit Speditionen gemacht, wenn diese die benötigten Daten herausgeben müssen. Am Schwierigsten sehe ich das Thema mit den Transportkosten. In aller Regel bekommen wir zumeist die Teile DAP geliefert, kennen also die Transportkosten nicht und können am Ende nicht den Wert an der Grenze nicht berechnen. (Zollwertberechnung Hinzurechnungen oder Abzüge).

Welche Bewilligungen muss denn Beantragen und welche Sicherheiten muss man Leisten. (abgesehen von den Aufschubkonten)
Welche Gefahren seht ihr wenn man die Zollanmeldungen selbst tätigt? Welche Ratschläge habt ihr für mich.
Geschätzter Aufwand aktuell bei uns 5-10 Sendungen die Woche

Vielen Dank vorab

CARGOFORUM PARTNER

Svaeni Geschrieben am 30 Juni 2022



Dabei seit
28 August 2018
5 Beiträge
Hallo chichi2701,

ich arbeite in einem großen Industrieunternehmen und wir haben ungefähr 150 Sendungen im Monat, die wir selbst zur Verzollung anmelden.

In dieser Größenordnung lohnt es sich bei uns in jedem Fall das Ganze selbst zu übernehmen - aus gewissen verfahrenstechnischen Gründen und vor allem aus Qualitätsgründen der recht komplexen Zollanmeldungen. Das war zuvor mehr schlecht als recht, trotz detailierter Informationsübermittlung an die Spediteure und hat uns viel Zeit bzgl. der Korrekturen gekostet.

Bei 5-10 Sendungen in der Woche kommt es m.M.n. vor allem auf die Komplexität und den damit verbundenen Aufwand der Anmeldungen an.
Bis zu einem gewissen Maß ist die IZA tragbar, wir haben in erster Linie aufgrund der Vielzahl der Anmeldungen eine Software eingeführt. Eine Anbindung an unser bestehendes ERP-System gibt es aktuell nicht, wird aber (glücklicherweise) aller Voraussicht nach kommen.

Bei Euch ist es denke ich eine Kosten-Nutzen-Frage, ob die Manpower für die Abwicklung da ist und sich die Einführung einer Software lohnt (Kosten Anmeldung durch Spediteur gegen Softwarekosten). Einen Spediteur anzuweisen kostet außerdem zwar auch Zeit, eine Zollanmeldung jenachdem aber sogar etwas mehr. (Außer man importiert immer wieder gleiche Ware von gleichen Lieferanten - solche Anmeldungen kann man natürlich besser vorbereiten oder duplizieren etc.)

Das Problem mit den Transportkosten haben wir selbst bei FOB/FCA Lieferungen, da die Spediteure uns Frachtkosten zurufen oder wir diese anhand der Raten selbst ermitteln - auch hier ist man immernoch auf die Zuverlässigkeit seines Spediteurs angewiesen um korrekte Angaben machen zu können. Bei DAP Lieferungen ist die Handhabung natürlich noch schwieriger und in jedem Fall ein Thema, das im Voraus mit den jeweiligen Transporteuren geklärt werden sollte.

Sofern Ihr Eure Ware direkt an der Grenze verzollen wollt bedarf es keiner besonderen Bewilligung, da man Euch ja verzollte Ware zustellt. T1 Beendigung machen wir auch nicht selbst, wir lassen hin und wieder auch hier beim örtlichen Zollamt gestellen, wo dann die vom Spediteur eröffnete T1 beendet wird. Auch hier - eine Frage von Zeit und Kosten.

Es besteht die Möglichkeit eine vereinfachte Zollanmeldung abzugeben, hier können im Nachgang bspw. u.a. Frachtkosten mit Abgabe einer ergänzenden Zollanmeldung "nachgemeldet" werden. Dieses Verfahren muss allerdings bewilligt werden, inklusive Sicherheitsleistung.

Gefahren wenn man die Zollanmeldung selbst tätigt? Gibt es in meinen Augen keine, sofern gut geschulte Mitarbeiter die Anmeldungen vornehmen. Man sollte schon wissen was man tut um korrekte Anmeldungen abzugeben und die Anzahl der Korrekturanträge niedrig zu halten.

Viele Grüße
Svaeni

chichi2701 Geschrieben am 01 Juli 2022



Dabei seit
20 Januar 2017
45 Beiträge
Hallo Svaeni,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich sehe das ähnlich mit der Kosten - Nutzenrechnung.
Tja mit der Manpower ist das so ein Thema. Ich denke aber, dass die Zeit die für die Ausarbeitung der Verzollungsdaten an den Spediteur drauf geht auch reichen würde die Zollanmeldung selbst durchzuführen.
Mir war aber nicht bekannt, das man gar keine Bewilligungen benötigt. (Mal abgesehen von dem Aufschubkonto für Zölle inkl. der Sicherheitsleistung. Aufschubkonto EUST haben wir bereits.)
Habt ihr garkeine Bewilligung für die Einfuhr. Musst du nicht mindestens noch ein Verwahrlager haben?
Kannst du da vielleicht bitte nocheinmal ins Detail gehen?

Wenn ich dich richtig verstehe, lässt du das T1 durch die Spedition beenden. Dann teilt dir die Spedition die ATB Nummer, sowie im bestenfall die Transportkosten bis zu Grenze und ggf. den Nachlaufkosten mit. Mit diesen Daten machst du dann die Einfuhranmeldung. Wie verhält es sich, wenn der Zoll bei euch eine Beschau anordnet oder die Dokumente prüfen will? Ich meine z.B. die ATR aus der Türkei oder EUR 1. Diese liegen dir ja im Normalfall, im Original, bereits bei der Einfuhr vor.
Schickst du diese dann zur Grenzzollstelle? Wie läuft es mit der Rückgabe durch den Zoll.
Ich weiß ich will viel wissen, aber das sind aus meiner Sicht die Stolpersteine bei der selbst durchgeführten Zollanmeldung.

Wenn du Zeit hast, würde ich mich freuen wenn du nocheinmal Antworten könntest.

Liebe Grüße

Jan

Svaeni Geschrieben am 05 Juli 2022



Dabei seit
28 August 2018
5 Beiträge
Hallo Jan,

eine Bewilligung dient meist der Vereinfachung bestimmter Vorgänge im Verzollungsprozess, allerdings wäre die Verzollung inklusive Überlassung zum Zeitpunkt der Anlieferung bei Euch ja schon erfolgt, wenn an der Grenze angemeldet wird.
Insofern lässt sich dieser Prozess nicht wirklich durch eine Bewilligung vereinfachen.

Die Bewilligung zur vorübergehenden Verwahrung würde nur dann benötigt werden wenn ihr Euch Ware zustellen lasst, die noch nicht in ein Zollverfahren überführt wurde. Salopp gesagt: Zustellung unverzollter Ware.
Diese Bewilligung geht immer auch mit der Bewilligung des zugelassenen Empfängers einher.

Wir haben diese Bewilligungen nicht, da wir nicht mit unverzollter Ware arbeiten und aktuell eben auch keine T1en bei uns beenden wollen. Dafür sind die Prozesse in unserer Warenannahme momenten noch nicht ausgelegt.

Zitieren::

Wenn ich dich richtig verstehe, lässt du das T1 durch die Spedition beenden. Dann teilt dir die Spedition die ATB Nummer, sowie im bestenfall die Transportkosten bis zu Grenze und ggf. den Nachlaufkosten mit.

Wir nutzen zwei Varianten:

Ein T1-Verfahren nutzen wir, wenn wir beim örtlichen Zollamt gestellen. Wir geben eine vorzeitige Zollanmeldung ab, übermitteln die ATA-Nr. an den Spediteur, mit der ATA wird dann beim ZA gestellt, T1 wird beendet und die Ware wird in der Regel überlassen. Der Spediteur bekommt im Voraus alle Dokumente von uns und hat diese dabei, falls es zu einer Dokumentenprüfung kommt. Bei Gesamtbeschau ist er ja direkt vor Ort.

Wenn an der Grenzzollstelle am (Flug-)Hafen am verzollt wird, erstellen wir eine Zollanmeldung sobald der Spediteur uns die ATB-Nr. mitgeteilt hat. Diese wird als Vorpapier angegeben. Wenn hier eine Dokumentenprüfung ansteht, übermitteln wir dieser per Mail direkt and das ZA. Wird eine Warenbeschau angeordnet, informieren wir den Spediteur, der übernimmt dann die Abwicklung.

ATR nutzen wir nicht, EUR1 auch eher selten. Ich habe oft die EUR1 dann einfach nachgereicht und nachträglich eine Erstattung beantragt. Da unsere Ware immer sehr schnell benötigt wird können wir hier keine Zeit verlieren.
Ist sicher nicht optimal, kommt hier aber sowieso selten vor.

Das Thema ist schon recht komplex und eher schwierig in ein paar Sätzen erklärt und vor allem auch immer abhängig von den Gegebenheiten im eigenen Unternehmen.
Ich kann nur empfehlen Euer Vorhaben mit dem zuständigen Zollamt zu besprechen, wir haben bei der Umstellung vorab hier wirklich sehr viel Unterstützung bekommen.

Viele Zollämter sind natürlich auch daran interessiert Prozesse zu vereinfachen und zu verbessern, von daher gehe ich davon aus, dass man Euch hier auch gerne unterstützen wird. :)

Viele Grüße
Svaeni

chichi2701 Geschrieben am 06 Juli 2022



Dabei seit
20 Januar 2017
45 Beiträge
Vielen Dank Svaeni für deine Ausführung.

Ich werde mir das nochmal durch den Kopf gehen lassen und ggf. mit dem Zollamt in Verbindung treten.

Mit freundlichen Grüßen

Jan

Neues Thema eröffnen    Neue Antwort erstellen
Seite 1 von 1







Deutschlands führendes Transport & Logistik Forum. Alles Wichtige zu Themen wie Spedition, Speditionsforum, Logistik, Logistikforum, Transport, Ausbildung, Studium, Karriere, Weiterbildung, Binnenschifffahrt, Existenzgründung, Transportforum, Luftfracht, Bahnfracht, Bahncargo, Seefracht, Schifffahrt, LKW, Güterkraftverkehr, Maut, Ladungssicherung, Gefahrgut, Charter, Eisenbahn, KEP, Kurier, Express, Paket, Multimodal, kombinierte Verkehre, Transportrecht, Transportversicherung, Zoll, Zollforum, RFID, Lagerlogistik, Warehouselogistik, AWB, Luftfrachtbrief, Container, Frachtflugzeug, Güterzug, Spediteure, Verlader, Fracht, Frachtforum, Transporte
© eine Onlinepublikation der VOCA media carsten vollenbroich