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Wer haftet bei Schäden am Container?


Kailing Geschrieben am 03 September 2022



Dabei seit
03 September 2022
1 Beiträge
Hallo liebe Importeure,

folgender Fall: Wir haben einen 40" Container aus Fernost erhalten, Hamburger Hafen angekommen und per LKW Spedition nach Berlin geliefert. Vor Ort haben wir die 900 Kartons per Hand ausgeladen und der LKW brachte den leeren Container zum Bremerhafen. Soweit so gut. Uns ist jedoch gegen Ende des Ausladens aufgefallen dass es ein Leck an der oberen linken Ecke des Container gegeben haben muss, weil einige der Kartons total nass waren. Haben wir aber nicht beanstandet.
Nun schreibt uns der Reedere einige Tage später an und informiert uns darüber, dass das Depot in Bremerhafen bei der Leerrückgabe Schäden am Container entdeckt habe und wir für die Reparaturkosten aufkommen sollen?
Wir sind uns keine Schuld bewusst, zumal der Container sowieso schon in einem miserablen Zustand zu uns gekommen ist.
Wie verhält man sich in solch einer Situation?

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Chev Geschrieben am 04 September 2022



Dabei seit
10 April 2009
1373 Beiträge
Diese Reedereien nehmen sich scheinbar zurzeit alles raus. Unfassbar.

Nun ja, streng genommen geht man natürlich immer auf den Letzten in der Kette. Und bevor der Container zurück ans Terminal / Leerdepot geliefert wurde, seid ihr quasi diejenigen gewesen, welche den Container zuletzt in Benutzung hatten bei der Entladung der Ware. Zuvor war der Schaden noch nicht sichtbar, das wird die Reederei bekräftigen - denn bei Schäden am Container werden am Terminal vor Auslieferung an Kunden normaler Weise Kontrollen durchgeführt und vermerkt.

Hilfreich wären natürlich Fotos von dem Schaden gewesen (Container & Ware) bzw. Vermerke in den Papieren, welche ihr gegenzeichnet mit Gegenunterschrift des Fahrers und Kopie für euch.

Ich würde es dennoch erstmal verweigern und die Reederei mal fragen, warum ausgerechnet ihr als Empfänger diejenigen gewesen sein solltet, welche den Schaden mutmaßlich verursacht haben sollen. Beim händischen Entladen von Kartons sollte ein Container keine Schäden nehmen.

Peterchen Geschrieben am 21 September 2022



Dabei seit
23 August 2007
28 Beiträge
Die Schnittstellenkontrolle bei der Containerübergabe. Ein leidiges Thema seit Menschengedenken. Alle schieben sich da gegenseitig den schwarzen Peter zu. Grundsätzlich: Jeder Container weist bereits nach wenigen Reisen "übliche" Schäden auf, hauptsächlich Rost, Kratzer, Dellen. Schäden durch falsche Handhabung (Gabelstapler fährt ein Loch rein o.ä.) werden meist schnell bemerkt, die sind nicht das Problem. Das Problem sind die schleichenden Leiden. Manche Container sind dermaßen mit Flugrost überzogen, dass man schon sehr sehr genau schauen muss, um nicht zwischen den vielen unproblematischen Flecken die fatale durchgerostete Stelle zu übersehen, die bei der nächsten Erschütterung zu einem Loch werden kann, durch das dann Wasser hineinsickert. Vom LKW-Fahrer wird dann erwartet, dass er bei der Containerübernahme unter Zeitdruck und ohne die entsprechenden technischen Mittel diese Entscheidung trifft - Container OK oder nicht OK. Fair ist das nicht.

Zu eurem Fall meine Frage: Wer hat die Gestellung des Containers zum Entladen bei euch veranlasst, also den LKW-Transport? War das die Reederei selbst? Falls ja, würde ich die Forderung ablehnen mit der Begründung, dass der Container noch keine sichtbaren Schäden hatte, als er euren Hof verlassen hat. Andernfalls hätte es der Fahrer ja sofort bemängeln müssen. Dass der Fahrer meist selbst keine Chance hat, einen kleineren Schaden zu bemerken, steht auf einem anderen Blatt, aber erstmal geht es darum, den Ball zurückzuspielen - die Reederei soll ja den Container auf eigene Kosten reparieren und euch nicht damit behelligen. Euer Standpunkt sollte also sein: Der Fahrer hat euch einen Container angeliefert, dabei nicht auf Schäden hingewiesen. Als er euren Hof verlassen hat, wurden ebenfalls keine Schäden im Frachtbrief vermerkt. Die Box hat zu diesem Zeitpunkt von den Papieren her also noch als unbeschädigt zu gelten. Wer sagt denn, dass der Container nicht wirklich beim Verlassen eures Gehöfts noch OK war und der Schaden dann auf dem Weg nach Bremerhaven entstanden ist? Dass der Zustand eurer Kartons in eine andere Richtung weist, müsst ihr ja niemandem auf die Nase binden.
Wurde der LKW-Transport nicht durch die Reederei veranlasst, sondern habt ihr selbst eine Spedition beauftragt, dann müsst ihr euch mit dieser auseinandersetzen: hat der Spediteur den Container ohne Schaden abgenommen und mit Schaden in Bremerhaven angeliefert (geht aus den "Interchange Receipts" von den Terminals hervor), würde ich ihn haftbar halten. Hat er den Container aber schon in Hamburg beschädigt bekommen, ist wiederum die Reederei haftbar. Das Zauberwort heißt einfach Schnittstellenkontrolle - wo war der Container papiermäßig noch heil, ab wann wurde eine Beschädigung festgehalten?

Was lernt man daraus: Jeden Container bei Annahme penibel prüfen. Vor dem Öffnen einmal mit dem Fahrer rundrum gehen, alles anschauen. Eventuell aus dem zweiten Stock über der Laderampe aufs Dach gucken. Nach dem Entladen von innen nochmal genau gucken. Nicht nur die Wände und das Dach, auch der Boden ist überraschend oft schon gut durchgetanzt. Tipp: Ein Mitarbeiter stellt sich in den Container, Tür wird geschlossen. Bemerkt er von drinnen einen Lichteinfall, ist da irgendwo ein Loch. Funktioniert natürlich nur bei Tageslicht oder entsprechender Beleuchtung. Den Fahrer auf jeden Schaden hinweisen, im Frachtbrief entsprechend vermerken, damit ihr aus dem Schneider seid. Sowas wie "durchnässte Kartons" gehört auf jeden Fall als Monitur in den Frachtbrief, damit ihr später ggf. selbst Schadenersatzansprüche anmelden könnt. Von allen Beschädigungen Fotos machen und direkt an euren Kontakt bei der Spedition oder Reederei schicken.
Mindestens genauso wichtig ist das bei Exportware: Vor der Beladung genauestens den Container inspizieren. Bei Beschädigungen, Nässe o.ä. sofort Foto an die Spedition / Reederei schicken und fragen, wie es weitergehen soll. Ggf. Beladung ablehnen, wenn der Container aus eurer Sicht nicht beladefähig ist und eure Ware Schaden nehmen könnte. Schwieriger wird es bei nicht fotografierbaren Mängeln = Gestank, aber das ist wieder ein Kapitel für sich.

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