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CFR und CIF bei Containern


Die richtigen INCOTERMS finden. Übersicht INCOTERMS 2020. Incoterms 2020 Änderungen. Das Forum INCOTERMS gibt Hilfe zum Finden und Einsatz der richtigen INCOTERMS Klauseln für den Käufer und Verkäufer und welche Rechte und Pflichten sich daraus ergeben. Es behandelt wichtige Begriffe wie "Gefahrtragung", "Liefer- oder Erfüllungsort" und "Kosten" die in den Klauseln selber nicht kommentiert werden und diskutiert die Verwendung von INCOTERMS-Klauseln und deren Auswirkungen auf die Exportdokumente, die Exportkontrolle und die Zollwertberechnung.


Jule68 Geschrieben am 12 November 2022



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29 Januar 2022
6 Beiträge
Hallo zusammen,

Schon seit x Jahren fertigen wir Exporte für unsere Containertransporte per CIF ab. Der Vorlauf erfolgt, da unser Werk nicht an einem Binnenhafen liegt per Bahn/Truck. streng genommen müsste es ja dann CIP sein. Ich habe gelesen, dass CFR bzw CIf sich nicht für Containerverkehre eignen, da der Vorlauf in der Regel nicht mit dem Schiff erfolgt.

Ist das nicht in der Praxis üblich es trotzdem so abzufertigen? Wie haltet ihr das?

Wo wäre denn der Gefahrenübegang, wenn ich CIF liefere und der LKW meine Gut an den Binnenhafen bringt quasi zum Vorlauf?
Wäre das dann bei Übegabe an den LKW Carrier.?

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Chev Geschrieben am 12 November 2022



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1373 Beiträge
Hallo,

hier werden sehr viele Begriffe durcheinandergeworfen :-)

Ich würde sagen - es müsste erstmal beschrieben werden, wie der Transportablauf ist, mit welchem Verkehrsträger (Vorlauf und Hauptlauf) und wer bis wohin welche Kosten übernehmen soll. Wer ist Frachtzahler der Sendung und bis wohin? Handelt es sich um komplette Container (FCL), Stückgut (LCL) oder ggf. um irgendwas spezielles, z. B. Flüssigkeiten, Schüttgut, komplette Schiffe, etc. Geht es um Binnenschiffverladung, Übersee, wo liegt der Verladeort und der Bestimmungsort der Ware und über welche Häfen soll verladen werden.

Anschließend kann es (hoffentlich) bewertet werden.

Jule68 Geschrieben am 13 November 2022



Dabei seit
29 Januar 2022
6 Beiträge
Hallo,
Vorlauf erfolgt wie gesagt per Bahn/ Truck, da unser Werk nicht an einem Binnenhafen liegt. Transport über HAm oder BRV nach Bsp Santos, Nhava Cheva, Port Quasim etc.
Die Kosten gemäß Cif/ CFR, es handelt sich um FCL 20‘ oder 40‘
Danke

Chev Geschrieben am 13 November 2022



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10 April 2009
1373 Beiträge
OK.

Zunächst mal: Die Incoterms CIF und CFR sind reine Seefracht-Incoterms, können also nur für Sendungen angewendet werden, welche einen Seefracht-Transport enthalten. Da dies nach der 2. Info, der Fall ist, ist daran also schon mal nichts falsch.

Nehmen wir beispielsweise Nhava Sheva/Indien:
Wenn ihr als Versender die Frachtkosten bis Ankunft Bestimmungsseehafen Nhava Sheva tragen wollt, dann ist "CFR Nhava Sheva" der korrekte Incoterm. Bei CIF müsstet ihr zusätzlich noch eine Seetransportvesicherung für den Empfänger abschließen, ansonsten wären beide Incoterms gleich.
Der Haftungsübergang an den Empfänger erfolgt bei/nach Verladung des Containers auf dem Schiff im Verschiffungsseehafen, z. B. Hamburg. Haftungs- und Kostentragungspflicht liegen somit bei CIF/CFR an unterschiedlichen Punkten.

Mit welchem Verkehrsmittel der Vorlauf erfolgt, ist für den Incoterm unerheblich / zweitrangig.

CPT wäre auch möglich, würde sich zu CFR nur geringfügig unterscheiden. Dadurch, dass CFR ein Seefracht-Incoterm ist, ist jedoch CFR genauer.

Jule68 Geschrieben am 13 November 2022



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29 Januar 2022
6 Beiträge
Guten Morgen,

danke für deine ausführliche Erklärung. Genauso wie du das beschrieben hast war bzw. ist auch mein Verständnis. Ich bin nur irritiert weil die IHK schreibt, dass CFR bzw. CIF nicht für Containertransporte geeignet ist, da diese oft mit einem anderen Verkehrsträger im Vorlauf bewegt werden. Der Sinn erschließt sich mir nicht.
Lg

Peterchen Geschrieben am 17 November 2022



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28 Beiträge
Jule68 wrote:
Ich bin nur irritiert weil die IHK schreibt, dass CFR bzw. CIF nicht für Containertransporte geeignet ist, da diese oft mit einem anderen Verkehrsträger im Vorlauf bewegt werden. Der Sinn erschließt sich mir nicht.
Lg

Hmm, mir auch nicht. Für welche Fälle sollte CFR / CIF dann nach Meinung der IHK überhaupt anwendbar sein? Es käme dann ja nur der nicht sehr häufige Fall in Betracht, wo der Versender sein Lager direkt an der Kaimauer hat und die Ware direkt aus seinem Lager aufs Seeschiff lädt - Schüttgut, Öl, Gas, solche Dinge. Alles andere wird zwangsläufig immer mit einem anderen Verkehrsträger zum Ladehafen gelangen müssen.

Aus der Praxis (Seefrachtspedition) kann ich nur berichten, dass CFR / CIF für Containertransporte gang und gäbe ist. Die Begründung der IHK würde mich da interessieren.

Erzi4 Geschrieben am 17 November 2022



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02 Dezember 2008
458 Beiträge
Hallo zusammen,

die Empfehlungen stammen nicht von der IHK, sondern sind ausdrücklicher Bestandteil des offiziellen Regelwerks "Incoterms® 2020" der International Chamber of Commerce. Die ICC schreibt bei den Seeklauseln FAS, FOB, CFR und CIF auch nicht, dass diese für Containerseefracht nicht anwendbar seien. Die ICC hält die Seeklauseln bei Containerseefracht lediglich im Hinblick auf die Lieferung und den damit vereinbarten Ort des Gefahrenübergangs für ungeeignet und regt an, dass die Parteien besser eine multimodale Klausel wählen sollten, nämlich FCA statt FAS oder FOB, CPT statt CFR und CIP statt CIF.

Im Einzelnen steht im Buch, das nebenbei bemerkt jeder haben sollte, der Incoterms richtig anwenden und verstehen will, folgendes:
Bei FAS: "Diese Klausel ist ausschließlich für den See- und Binnenschiffstransport geeignet, bei dem es der Absicht der Parteien entspricht, dass die Ware geliefert wird, indem sie längsseits eines Schiffs bereitgestellt wird. FAS ist somit ungeeignet, wenn die Ware einem Frachtführer übergeben wird, bevor sie sich längsseits des Schiffs befindet, z.B. wenn Ware an einem Containerterminal übergeben wird. Wenn dies der Fall ist, sollten die Parteien in Betracht ziehen, anstelle von FAS die Klausel FCA zu verwenden."
Bei FOB: "Diese Klausel ist ausschließlich für den See- und Binnenschiffstransport geeignet, bei dem es der Absicht der Parteien entspricht, dass die Ware geliefert wird, indem sie an Bord eines Schiffs gebracht wird. Die Klausel FOB ist somit ungeeignet, wenn die Ware dem Frachtführer übergeben wird, bevor sie sich an Bord des Schiffs befindet, z.B. wenn Ware an einem Containerterminal übergeben wird. Wenn dies der Fall ist, sollten die Parteien in Betracht ziehen, anstelle der Klausel FOB die Klausel FCA zu verwenden."
Bei CFR: "Diese Klausel ist ausschließlich für den See- und Binnenschiffstransport geeignet. Wenn mehrere Transportarten genutzt werden, was häufig der Fall sein wird, wenn Waren an einen Frachtführer an einem Containerterminal übergeben werden, sollte anstelle von CFR die besser geeignete Klausel CPT gewählt werden."
Bei CIF: "Diese Klausel ist ausschließlich für den See- und Binnenschiffstransport geeignet. Wenn mehrere Transportarten genutzt werden, was häufig der Fall sein wird, wenn Waren an einen Frachtführer an einem Containerterminal übergeben werden, sollte anstelle von CIF die besser geeignete Klausel CIP gewählt werden."

Die ICC sagt also nicht, dass z.B. FOB bei Containerseefracht nicht geht. Sie hält die Klausel nur für ungeeignet, da die Waren bei FOB erst als geliefert gelten, wenn sie sich an Bord des Schiffs befinden. Der Verkäufer gibt die Ware jedoch am Containerterminal aus der Hand und kann die Erfüllung der Klausel selbst nicht mehr steuern.

Bei den C-Klauseln geht die Gefahr ja bereits auf den Käufer über, wenn die Ware an den ersten Frachtführer übergeben wurde (bei CPT und CIP analog zu FCA Übergabe an den ersten Spediteur; bei CFR und CIF analog zu FOB Verbringen an Bord des Schiffs). Der Verkäufer trägt lediglich die Kosten des Transports bis zum vereinbarten Bestimmungsort. Bei CIP und CIF ist der Verkäufer zudem verpflichtet, eine Transportversicherung zugunsten des Käufers (der ja ab Gefahrenübergang das Risiko trägt) abzuschließen. Wurde nun CIF vereinbart und die Ware wird im Containerterminal beschädigt oder zerstört, ist dies zunächst nicht versichert, denn bei CIF deckt die Versicherung nur klassische Schäden der Schifffahrt ab, wie Havarie oder Seewurf. Bei CIP hingegen ist der Transport quasi "vollkasko" versichert.

Saludos
Erzi4

Peterchen Geschrieben am 18 November 2022



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23 August 2007
28 Beiträge
Vielen Dank für die Erläuterungen, man lernt hier jeden Tag noch etwas dazu. Das Büchlein liegt tatsächlich irgendwo bei uns im Büro rum, aber ich muss gestehen, dass da nur sporadisch mal jemand reinschaut. Etwa, um einem Azubi die Incoterms kurz oberflächlich zu erläutern (in der Hoffnung, dass die Berufsschule dann in die Tiefe geht).

In der Tat ist der Term CIF unpraktisch, da der Verkäufer ja nur bis Entladehafen versichern muss. Alles, was nach der Entladung passiert, ist nicht versichert, sofern der Verkäufer nicht freiwillig Haus/Haus versichert. Tut er das nicht und deckt der Käufer dann das letzte Stück des Weges nicht separat ab, sieht er bei einer Beschädigung im Empfangsland alt aus. Interessantes Detail, das hoffentlich alle Käufer auf dem Zettel haben.
Habe ich mir bisher nie Gedanken drüber gemacht, da wir bei Bedarf generell nur Haus-Haus-Versicherungen besorgen unabhängig vom Inco-Term.

Dass FOB für den Verkäufer eigentlich unpraktisch ist, hat mich immer schon gewundert. Bei diesem Term bezahlt und bestimmt der Käufer ja in aller Regel den Frachtführer für den Seetransport und dieser hat auch die Kontrolle über die Verladung an Bord des Schiffes. Nach der Anlieferung am Ladehafen hat der Verkäufer somit keinen Einfluss mehr auf das Gelingen des Transports, trägt aber immer noch das volle Risiko für das letzte Stück Weg, bis die Ware an Bord ist. Ungut.
Dem Term FAS bin ich in der Praxis nie begegnet.

Warum CFR nun für einen kombinierten Transport mit Hauptlauf See weniger geeignet sein soll als CPT, erschließt sich mir allerdings immer noch nicht so ganz. In beiden Fällen zahlt der Verkäufer die volle Strecke bis in den Empfangshafen (bei CFR) bzw. zum genannten Bestimmungsort (CPT). Da er als Frachtzahler in aller Regel auch die Wahl der Frachtführer hat, hat er die volle Kontrolle über die gesamte Strecke. Und hier liegt meiner Meinung nach auch der Webfehler sowohl bei CFR als auch bei CPT: Der Verkäufer hat den Transport bis ins Empfangsland zu zahlen (Entladehafen bei CFR bzw. angegebener Ort bei CPT), er trägt aber nur das Risiko für den ersten Teil des Wegs (an Bord des Schiffes bzw. Übergabe an den ersten Frachtführer). Da in aller Regel derjenige, der den Transport bezahlt, auch den Frachtführer auswählt, wird der Verkäufer immer einen Frachtführer mit einem möglichst niedrigen Preis berücksichtigen und kann dabei ein eventuell erhöhtes Transportrisiko zu Lasten des Käufers akzeptieren. Überspitzt betrachtet. Was ist der Sinn dahinter? Irgendwas werden sich die Väter der Inco-Terms sicherlich gedacht haben, sonst gäbe es ja nur DAP/DPU für solche Fälle, aber ich komm nicht drauf.

Chev Geschrieben am 19 November 2022



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1373 Beiträge
Hallo,

ich teile die Einschätzung, dass CFR und CIF für den Seeverkehr ungeeignet sei, überhaupt nicht.
Diese Klauseln sind, wie bereits erläutert wurde, auf den Seefrachtbereich zugeschnitten und finden in der Praxis sehr häufig statt.
Ich gebe jedoch zu, dass die Aufteilung zwischen Gefahren- und Kostenübergang (übrigens auch bei CPT / CIP) in der Praxis - wenn entsprechende Schäden auftreten - für Verwirrung sorgt, da weltweit häufig oft unbekannt ist, dass es sich bei C-Klauseln um sog. 2-Punkt-Klauseln handelt. Man kann jedoch auch bei C-Klauseln den Ort des Gefahrenübergangs mit dem des Kostenübergangs gleichsetzen (z. B. Bestimmungs-seehafen), wenn dies entsprechend vereinbart wurde. Generell ist auch der Ort des Gefahrenübergangs wie auch der Ort des Kostenübergangs bei C-Klauseln frei wählbar - insofern beide Parteien zustimmen.

Bzgl. FOB: Hier ist es korrekt, dass dieser Incoterm zwar ebenfalls für Seefracht zugeschnitten wurde, jedoch für Container-Sendungen von der ICC selbst als ungeeignet oder nicht empfohlen eingestuft wird. Die Gründe wurden bereits erläutert.

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