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effektives System zur Ermittlung des präferenziellen Ursprungs bei konfigurierbaren Komponenten


Projektkoordinator Geschrieben am 09 Oktober 2018



Dabei seit
14 Mai 2009
246 Beiträge
Hallo zusammen,

ich benötige mal wieder Hilfe bzw. Input und hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann.

Ich stehe vor dem Problem, dass ich für (in größerem Umfang) konfigurierbare Komponenten bereits im Vertriebsstatus Aussagen zum präferenziellen Ursprung machen soll. Da das Thema ja durchaus ein Vertriebswerkzeug ist macht das ja auch Sinn. Allerdings kann mir zu diesem Zeitpunkt keiner Aussagen darüber machen, wie sich die Komponente oder das System zusammensetzen. Es liegen also keine Infos zu Stücklisten, Fertigungsaufträgen oder involvierten Lieferanten vor. Dementsprechend kann ich meiner Meinung nach keine brauchbare Aussage zum Ursprung treffen, da ich ja keine Basis für eine Prüfung/Kalkulation besitze.

Schlussendlich müsste ich dem Vertrieb ja so etwas wie einen Baukasten vorlegen, aus welchen der jeweilige Vertriebler zwischen berechtigt, nicht berechtigt, etc. auswählen kann?

Hat hier jemand ein ähnliches funktionierendes System?

Danke vorab.

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Chev Geschrieben am 09 Oktober 2018



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731 Beiträge
Ist mit "System" eine Software gemeint? Diese wird denke ich nicht helfen, denn ein (meist teures) Programm ist nur so gut, wie die Daten, welche darin gepflegt sind. Liegen diese nicht vor, ist die Software nutzlos.

Zum Thema: ihr habt also konfigurierbare Produkte, zu welchen im Angebotsstatuts weder Stücklisten noch Lieferanten, Ursprünge etc. bekannt sind? Wie kalkuliert ihr dann die Kosten bzw. euren Verkaufspreis? Denn um eine Präferenzkalkulation durchführen zu können, muss als erstes ein "Ab-Werk-Preis" feststehen. Im zweiten Schritt schaue ich mir die Materialkosten des Erzeugnisses an. Im dritten Schritt prüfe ich die jeweilige Listenregel - diese kann unter Umständen auch bereits durch eine hohe "Wertschöpfung" erfüllt sein, dann müssen keine Vormaterialien (VmU) nachgewiesen werden. Ohne Kenntnisse der Materialkosten kann ich das jedoch nicht berechnen.

Projektkoordinator Geschrieben am 10 Oktober 2018



Dabei seit
14 Mai 2009
246 Beiträge
Mit System meine ich eher die Organisation des Themas.

Aktuell mache ich die Prüfung, sobald das Material gefertigt wurde. Zu diesem Zeitpunkt kann ich die Komponenten komplett in Stücklisten zerlegen und weiß was drin steckt. Am Ende der Kette ist das meiner Meinung nach allerdings völlig falsch angesiedelt. Im schlechtesten Fall fällt die Prüfung negativ aus wofür unsere Kunden wenig Verständnis zeigen.

Chev Geschrieben am 10 Oktober 2018



Dabei seit
10 April 2009
731 Beiträge
Zitieren::

Am Ende der Kette ist das meiner Meinung nach allerdings völlig falsch angesiedelt.

Ich kenne es so, dass Präferenzen erst in Rahmen der Exportabwicklung kalkuliert werden und nicht vorher - auch wenn es sicherlich ein Verkaufsargument ist.

Zitieren::

Im schlechtesten Fall fällt die Prüfung negativ aus wofür unsere Kunden wenig Verständnis zeigen.

Grundsätzlich seid ihr nicht dazu verpflichtet, Präferenzen überhaupt zu prüfen und auszustellen - zumindest sofern es vertraglich nicht vereinbart ist. Da wäre ich auch vorsichtig, sich auf irgendetwas einzulassen, was man aber später nicht einhalten kann.

Wenn der Produktionsprozess sich länger hinzieht (wie es sich definitiv anhört), kann sich zwischenzeitlich zudem viel ändern, z. B.: Lieferant wird gewechselt, der Ursprung eines Materials ändert sich, Lieferant zieht eine LE/LLE zurück, etc.
Also selbst, wenn ihr alle Daten hättet, würde ich im Vorfeld nur unter Vorbehalt kalkulieren.

Welche Zolltarifnummer (bzw. ersten 4 Stellen) hat denn das hergestellte Produkt?

Projektkoordinator Geschrieben am 11 Oktober 2018



Dabei seit
14 Mai 2009
246 Beiträge
Die Anlagen fallen unter die Position 8428.

Aktuell ist es noch so, dass den Kunden seitens des Vertriebs zugesichert wird, dass die Ursprungserklärung erbracht werden kann. Sollten wir das jetzt heraus nehmen werden größere Auftragsverluste befürchtet, da bspw. in Jordanien 30% an Zöllen entrichtet werden müssten. Dementsprechend wird von mir eine Lösung gefordert, die es ermöglicht bereits im Angebotsstatus eine Aussage über den Ursprung treffen zu können.

Kann man hier eigentlich privat Nachrichten versenden?

Chev Geschrieben am 11 Oktober 2018



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10 April 2009
731 Beiträge
Ich verstehe den Vertrieb. Aber er fordert etwas, was unmöglich ist. Es sei denn, er definiert den Ab-Werk-Preis und die Materialkosten aller zu beziehenden Materialien. Dann könnte man die Listenregel prüfen und schauen, ob evtl. die Wertschöpfung ausreicht.

Bsp. für Pos. 8428:
Ab-Werk-Preis: 100.000 EUR
Materialkosten: max. 30.000 EUR
= präferenzberechtigt nach Listenregel für JO (Spalte 4), da 30% des Ab-Werk-Preises aus dem Drittland bzw. ohne "Ursprung" sein dürfen und somit keinerlei VmU mittels LE/LLE nachzuweisen sind.

Die private-Nachrichtenfunktion wurde nach dem Update das Forums aus Datenschutz-Gründen leider deaktiviert.

waldorf Geschrieben am 12 Oktober 2018



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1375 Beiträge
Eigentlich muss man das Thema Präferenzen doch strategischer angehen. Die geschilderte Vorgehensweise: "ich kaufe Material ein - ich produziere und am Ende prüfe ich, ob ich die Präferenz bekomme" muss man eigentlich umdrehen und sich ganz am Anfang fragen, welches Material man einkauft und wo man produziert (und wie man das alles intern steuert). Dann wird auch einmal klar, dass Nutzung von Präferenzen nicht nur lästige Bürokratie in Form von Lieferantenerklärungen verwalten und Präferenzkalkulation bedeutet, sondern einen erheblichen Eingriff in Einkaufs- und Produktionsentscheidungen darstellt.

Chev Geschrieben am 12 Oktober 2018



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10 April 2009
731 Beiträge
Das sehe ich absolut genauso.

In größeren Firmen, wo die Abteilungen nur auf sich selbst schauen, ist das aber schwierig. Der Einkauf wird am Preis bzw. an "Einsparungen" gemessen und daher fällt die Entscheidung eher auf den günstigeren Lieferanten aus Fernost. Das auch, bei teilweise nur geringen Ersparnissen. Am Ende fällt mir aber diese geringe Ersparnis im Unternehmen ordentlich auf die Füße, da ich das Erzeugnis dadurch evtl. nicht präferenziell bekomme, was zu hohen "Kosten" (hier: 30%) durch Zölle für den Kunden beim Import führt.
Unterm Strich bekomme ich so den Auftrag nicht oder muss eine größere Rabattierung auf den Verkaufspreis geben, um den Auftrag zu erhalten. Der "Verlust" kann um ein vielfaches größer als die einkaufsseitige Einsparung sein.

Auf jeden Fall ein strategisches Thema.

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