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Leitfaden: RFID für den Mittelstand

Logistik & Forschung | Montag, 21 Dezember 2009 | 970
20.12.2009 | Die Forscher der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS haben eine branchenübergreifende Methodik entwickelt, um Nutzen und Kosten von RFID-Anwendungen im Mittelstand zu bestimmen. Die Radio Frequency Identification-Technologie RFID bietet zahlreiche Möglichkeiten, in den Logistikketten des Handels und der Produzenten nutzbringend eingesetzt zu werden. Obwohl sie mittlerweile zuverlässig funktioniert, sind bisher nur vereinzelt Anwendungen in verschiedenen Branchen die Pilotphase erfolgreich abgeschlossen worden oder werden im Tagesgeschäft operativ betrieben.

»Mittelständische Unternehmen nennen dafür folgenden Grund: Es sei nicht einfach, den optimalen und vor allem passenden ›Fit‹ von technologischer Ausstattung auf der einen Seite und Wirtschaftlichkeit auf der anderen Seite zu finden«, erklärt Philipp Precht vom Geschäftsfeld Technologien im Fraunhofer-Zentrum für Intelligente Objekte ZIO. »Dies gilt besonders dann, wenn ein bereits bestehendes System, etwa eine Barcode-Anwendung, ersetzt werden soll und die Leistungsfähigkeit ausschlaggebend ist«, verdeutlicht Precht.

Diese Einstiegshürde ließe sich überwinden, wenn man Firmenchefs mit einer detaillierten Machbarkeitsanalyse die Kosten und den Nutzen der für den jeweiligen Einsatz in Frage kommenden RFID-Anwendungen detailliert aufzeigen könnte. Die Forscher der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS haben deshalb eine herstellerunabhängige Analyse der technischen und wirtschaftlichen Aspekte entwickelt, die aus sieben Stufen besteht.

Stufe 1: Die Bestimmung des Analysefokus
Die Experten setzen sich zunächst mit dem Unternehmer, dem Führungsteam und den internen Experten der Firma zusammen und klären ab, bei welchen Abläufen oder Geschäftsprozessen RFID überhaupt sinnvoll sein kann und den größten Gewinn verspricht, damit knappe Ressourcen optimal eingesetzt werden.

Stufe 2: Die Prozessanalyse
RFID verbessert einen Arbeitsablauf nur dann, wenn dieser vor der Einführung in- und auswendig bekannt ist, in allen physischen und informatorischen Aspekten. Diese werden in Stufe 2 erhoben.

Stufe 3: Die Identifikation von I-Punkten
RFID ist Information. Diese Information wird an bestimmten Punkten im Arbeitsablauf ausgelesen. Stufe 3 definiert diese I-Punkte. Das ist eine hohe Kunst: Zu viele Lese- und Schreibpunkte machen RFID zu teuer. Zu wenige machen es ineffektiv. Ob RFID sich lohnt, hängt deshalb auch davon ab, wie intelligent es implementiert wird.

Stufe 4: Die Ableitung der technischen Anforderungen
RFID ist nicht gleich RFID. Die technischen Anforderungen an eine optimale Lösung variieren von Unternehmen zu Unternehmen, auch von Anwendung zu Anwendung. Der häufigste Fehler hierbei: Viele schauen sich eine ihrer Anwendungen genau an, bestellen daraufhin RFID – und übersehen dabei, dass das nagelneue System dann auch nur auf diese eine einzige Anwendung wirklich passt. Ein teurer und vermeidbarer Fehler. Deswegen müssen die Anforderungen für jeden I-Punkt bestimmt und in einem Anforderungsprofil zusammengeführt werden.

Stufe 5: Die Marktanalyse
Jetzt muss geklärt werden, ob es RFID-Technologien für dieses Anforderungsprofil überhaupt auf dem Markt gibt. Fündig wird dabei nur jemand, der den Markt wie seine Westentasche kennt. Die SCS-Forscher können dafür auf eine der umfangreichsten Marktdatenbanken zurückgreifen, die täglich aktualisiert wird. Stellt sich dabei heraus, dass die benötigte Technologie noch gar nicht verfügbar ist, empfehlen die Experten konkrete Entwicklungsschritte oder entwickeln selber.

Stufe 6: Die Analyse von Nutzen und Kosten
Um festzustellen, wie sich die neue Technik auf schon vorhandene Abläufe auswirkt, entwickeln die Wissenschaftler im nächsten Schritt ein Zukunftsszenario. »Wir tun so, als ob das System bereits implementiert wäre und errechnen die Vorteile. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Einkauf hält, was er verspricht«, erläutert Precht. »Wesentlich dabei ist es, auch den Nutzen zu berücksichtigen, der sich durch die zusätzlichen Funktionalitäten der Technologie, zum Beispiel in besserer Kundenansprache oder neuen Serviceangeboten ergibt.« Spiegelbildlich zum Nutzen wird dann die Total Cost of Ownership bestimmt, also nicht nur die Kosten der Hardware, sondern sämtliche Aufwendungen über die gesamte Lebenszeit wie Software, Risikokosten, Wartung, Reparatur, Schulung, Projektkosten und Beratung.

Stufe 7: Die Handlungsempfehlung
Jetzt werden sämtliche betriebswirtschaftliche Größen in einer umfassenden Rechnung zusammengeführt als Basis für eine zuverlässige und sichere Entscheidung. »Der Unternehmer sieht auf einen Blick, ob sich RFID für ihn rentiert, ab wann welche Anfangsinvestition fällig sind«, versichert Precht. Den Abschluss bildet eine klare und deutliche Empfehlung mit nachvollziehbarer und stichhaltiger Begründung: »Führen Sie RFID ein/nicht ein, und zwar aus folgenden Gründen.«

Die Forscher der Arbeitsgruppe entwickeln seit Jahren neutral und unabhängig von Herstellern, Händlern und Beratern pragmatische, kostengünstige und technisch wegweisende Lösungen für alle Herausforderungen entlang der kompletten Supply Chain. Leiterin der SCS ist Prof. Dr.-Ing. Evi Hartmann, Inhaberin des Lehrstuhls für Logistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Über das angegliederte Zentrum für Intelligente Objekte ZIO gelingt der erfolgreiche Brückenschlag zwischen Entwicklung von Spitzentechnologien des Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und wirtschaftlicher Anwendung.

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